Dieser Teil der Chronik behandelt die Zusammenarbeit der amerikanischen
Armee, Geheimdienste, Politiker und Industriellen mit der Mafia, den Nationalsozialisten
und der Katholischen Kirche während dem 2. Weltkrieg und in den Jahren
danach.
Die zentralen Themen und Personen sind:
Zweiter Weltkrieg, US-Firmen und die
Nazis, IBM, Ford, GM, Onassis, Karriere von Howard Hughes,
Angriff auf Pearl Harbor, Gründung des OSS und J. Edgar
Hoover, US-Finanzierung Hitlers durch Prescott Bush,
Averell Harriman, Fritz Thyssen, Friedrich Flick, Montagu Collet Norman und Warburg.
Ölhandel, Rockefeller, I.G.Farben, William Stamps Farish, Eugenik und George
Bush, Kooperation von Mafia und Militär, Coca-Cola, USA
und Frankreich, Charles de Gaulle, Mafia, Roosevelt und
Hollywood, Italien-Invasion, Rückkehr der Mafia,
Hoover und Kennedy, Politikerbespitzelung, Bretton
Woods, Gründung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank,
Dollar, Saudisches Öl, UNO und Harry S. Truman, Niederlage Japans, Atombomben, biologische Waffen, John
F. Kennedys Einstieg in die Politik, Reorganisation
der Mafia, Heroin-Schmuggel, Las Vegas, Der Kalte Krieg,
die Unterstützung der Partisanenbewegungen, der Antikommunismus, der Marshall-Plan,
die Containment-Strategie, Josip Tito in Jugoslawien, Gründung
der CIA, Hoover, das HUAC, Reagan und Nixon,
CIA und Kriegsverbrecher, Allen Dulles, George F. Kennan und der Vatikan retten
Faschisten wie Ante Pavelic, Otto Skorzeny, Reinhard Gehlen oder Otto Albrecht
von Bolschwing, CIA in Italien, CIA
und Gewerkschaften, Howard Hughes und Nixon, Chotiner
und Johnson, Truman und die Mafia.
Der Text umfasst ca. 30 Seiten.
Home Zurück zu Teil 1 Vorwärts zu Teil 3
Der Heroinhandel bricht während des Zweiten Weltkrieges beinahe zusammen. Die Brüder Eliopoulos ziehen sich in den ersten Kriegstagen aus dem Handel zurück, und die Unterwelt von Marseille kollaboriert mit den Nazis. Als Japan Shanghai besetzt, versiegt der schon zuvor verminderte Heroinnachschub vollends. Meyer Lansky reist nach Mexiko und organisiert dort den Mohnanbau in den Bergen, der jedoch nur minderwertiges Heroin liefert. Auch eine zweite Verbindung, über die Heroin aus der I.G.-Farben-Produktion nach Kuba geliefert wird, bricht 1943 ab. 1938 ist das Heroin noch zu 28% rein verkauft worden, 1941 nur noch zu 3%, obwohl der Preis sich verzwölffachte. 1945 kostet das Heroin das 70fache von 1938, und die Zahl der Süchtigen hat sich von 300'000 auf 20'000 vermindert.
Für die Mafia eröffnen sich mit dem 2. Weltkrieg aber andere Einnahmequellen. Die amerikanische Regierung verfügt Kriegsrationierungen und Preiskontrollen, was zur sofortigen Entstehung von Schwarzmärkten führt. Dank der Kontrolle über die Häfen von Brooklyn und Manhattan können die Mobster auch genügend Waren für den Schwarzmarkt abzweigen. Die Mafia handelt mit Fleisch, Zucker, Speiseöl, Autos, Pneus und Nylon und verkauft rationiertes Benzin. Das Office of Price Administration errechnet, dass jeden Tag 2,5 Mio. Gallonen Benzin (1 Gallone = 3,785 Liter) illegal verkauft werden. Am lukrativsten ist der Verkauf von gefälschten Rationierungsmarken, vor allem für Benzin, die nicht einmal alle gefälscht werden müssen. Sie kommen von korrupten Beamten des OPA, wo Richard M. Nixon und Charles Gregory Rebozo arbeiten. Vor allem Carlo Gambino hat sich diesen Handel unter den Nagel gerissen und kauft sich Hunderttausende von Marken von korrupten OPA-Beamten und macht laut Valachis Aussagen bis zu $1 Mio. pro Deal. Nixons ethische Qualifikationen als Anwalt wurden schon bei dessen ersten Prozess von Richter Alfred Paonessa ernsthaft in Frage gestellt. Rebozo gründet mit 23 eine Auto-Service Station und verdient am illegalen Handel mit gebrauchten Pneus und anderen Secondhandgeschäften so viel Geld, dass er nach dem Krieg eine Wäschereikette kaufen und in die Bodenspekulation einsteigen kann.
Quellen: Delorme: 83-85, Weberman (6), Best: 85, Summers (2000): 29-34,102,495.
1939 US-Firmen und die Nazis top
Aber nicht nur die Mafia, auch andere Firmen und Grossinvestoren verdienen am
Krieg. IBM-Chef Thomas J. Watson lieferte seinem Freund Adolf Hitler die Hollerith-Lochkartenmaschinen,
womit die erste Volkszählung im Dritten Reich durchgeführt wurde.
Dank diesen Personendaten können die Konzentrationslager, Gettos, Judendeportationen
und deren Vernichtung effizient organisiert werden. Die auf den Armen tätowierten
KZ-Häftlingsnummern entsprechen den Personenkennziffern der IBM-Maschinen,
die Haftgrund, Gesundheitszustand, Nationalität, Beruf, Art der Lagerstrafen
und schliesslich die Todesart auf den Lochkarten festhalten. Da auch die gesamten
Wirtschafts- und Rüstungsdaten mit den Hollerrith-Maschinen verrechnet
werden, besteht die Gefahr der Enteignung und Verstaatlichung der Tochter Dehomag,
was Watson mit der Einsetzung eines Treuhänders verhindern kann. Als Präsident
der Handelskammer und Berater Roosevelts sprach sich Watson stets gegen die
Isolation Deutschlands aus und kooperierte bis 1940 direkt und danach indirekt
mit allen Regierungsstellen des NS-Regimes. Die europäischen Interessen
von IBM während dem Krieg vertritt Werner Lier, ein Hauptmann der Schweizer
Armee in Genf. 1942 hält IBM 94% der Munitions Manufacturing Corporation,
die Kanonen und Flugzeugmotorteile produziert und IBM $200 Mio. einbringt. Nach
dem Krieg erhält Watson nicht nur die "Computer"-Maschinen zurück,
sondern auch die Gewinne der Tochterfirma Dehomag. Watson wird Vertrauter und
Golfpartner von Eisenhower und sitzt von 1952 bis 1962 als Senator von Connecticut
im Parlament.
Nur etwa 60'000 der Hunderttausenden jüdischen Flüchtlinge, die ein
Visumsgesuch stellen, gelangen aus Europa in die USA. Viele der Abgewiesenen
schicken Geld voraus, da Mittellose sowieso keine Chance haben, weshalb Milliarden
von Dollars an Flüchtlingsgelder in die USA strömen und von den Behörden
als Vermögen der "enemy aliens" eingefroren werden. Nach der
Krieg beschlagnahmt die US-Regierung $900 Mio. (der heutige Wert ist rund 10
Mal höher) auf diesen Bankkonten und entschädigt damit die deutschen
Tochterfirmen amerikanischer Unternehmen wie General Motors mit $16,4 Mio. oder
Ford mit $785'000, obwohl Henry Ford Hitlers Wahlkampf mitfinanzierte. Ford
ist ein radikaler Antisemit, dessen Ansichten Hitler beeinflussten, und geht
mit eigenen Werkpolizisten gegen Gewerkschafter vor. Beide Firmen beschäftigen
Zwangsarbeiter und sind Bestandteil von Hitlers Kriegsmaschinerie: 1942 stammt
ein Drittel der 350'000 produzierten Lastwagen aus Ford-Fabriken. Seit 1929
gehört Opel zu 100% der GM und bildet mit 100'000 produzierten Opel Blitz-Lastern
das Rückgrat der Reichwehr. Während dem Krieg baut Opel etwa die Hälfte
der Antriebssysteme für die JU-88-Bomber. Obwohl Carl Luer am 25.11.42
die Verwaltung in Rüsselheim für die Nazis übernimmt, werden
die wesentlichen Entscheidungen weiterhin in Detroit gefällt. 1943 entwickelt,
produziert und montiert Opel die Motoren für das erste Düsenflugzeug
Messerschmitt 262, während General Motors die US-Luftwaffe aufrüstet.
Für die Schäden an den Tochterfabriken in Deutschland, Österreich,
Polen und China durch die Bombardierungen der Alliierten erhält GM 1967
Steuervergünstigungen von $33 Mio. Die Fabriken von Ford und IBM werden
bei den Bombardierungen durch die USA offensichtlich geschont.
Opel erzielt dank den Zwangsarbeitern hohe Kriegsgewinne, ohne einen Cent an
den Zwangsarbeiterfonds der amerikanischen Handelskammer zu zahlen. Insgesamt
werden 10 Millionen Verschleppte aus 26 Nationen im Dritten Reich zur Arbeit
gezwungen (davon 3 Mio. Russen, 1,2 Mio. Polen und 1,2 Mio. Franzosen). Ohne
diese Sklaven wären die Landwirtschaft und die Kriegsindustrie nicht in
der Lage, die Produktion aufrecht zu erhalten.
Auch die Tochterfirmen von schweizerischen Unternehmen wie Georg Fischer, Maggi, BBC, oder Alusuisse profitieren von den Gratisarbeitern. 1944 schliessen sich Hunderte von Firmen dem SS-Programm "Vernichtung durch Arbeit" an und rekrutieren die Zwangsarbeiter vor allem aus den Konzentrationslagern, womit sie ihre Nachkriegs-Konkurrenzfähigkeit markant verbessern.
Anfangs der 40er Jahre propagieren 3000 Agenten des britischen Secret Service innerhalb der USA, Hitler strebe die Weltherrschaft an. 80% der Amerikaner wie auch der Kongress sind gegen den Kriegseintritt der USA. Die Propaganda des British Service Coordination kommt den Kriegsplänen Roosevelts entgegen, weshalb das FBI sie toleriert.
Aristoteles Onassis verkauft an beide Seiten Öl und Waffen und vermietet
seine Schiffe, wofür die Alliierten $250'000 pro Jahr zahlen. Interessanterweise
verliert er als einziger während des ganzen Krieges kein einziges Schiff
und keinen einzigen Matrosen, während beispielsweise von den 450 griechischen
im Krieg eingesetzten Frachtschiffen 360 sinken. An die Japaner, die einen grausamen
Eroberungskrieg in Asien führen, verkauft Onassis Schiffe, die er durch
neue aus Südamerika ersetzt. Ab dem November 1942 wird Onassis vom FBI
wegen seinen Beziehungen mit Faschisten wie Fritz Mandl, Juan Peron, Alfred
Krupp oder Hjalmar Schacht überwacht. Als Hollywoodplayboy hat er eine
Affäre mit Gloria Swanson, mit der Kennedy ein langdauerndes Verhältnis
hatte.
Nach dem Krieg beschliesst der amerikanische Kongress den Verkauf der nicht
mehr benötigten Kriegsfrachter "Liberty ships" für $550'000
pro Stück. Da Onassis nicht zur kaufautorisierten griechischen Reederunion
gehört, ist er von der einmaligen Gelegenheit ausgeschlossen. Er umgeht
die Bestimmung mithilfe des Anwalts Burke Marshall und der neu geschaffenen
Scheinfirma "United States Petroleum Carriers Inc", die 4 T2-Tanker
kaufen kann. Er schliesst zudem Kohletransportverträge mit 16 "Liberty
ships", die er gar nicht hat, ab. Dasselbe macht er mit Öltankern,
die noch gar nicht gebaut sind. Mit der Metropolitan Life Insurance Company
handelt er einen Investitionsvertrag über $40 Mio. für eine neue Supertankergeneration
aus. Die vier "Liberty"-Schiffe aus den US-Kriegsbeständen werden
für die Waljagd eingesetzt, in die Onassis, unter Umgehung der Jagdgesetze,
einsteigt. Die erste Walexpedition bringt ihm $4,2 Mio, weshalb es nicht kümmert,
dass beispielsweise 69% der Pottwale, die er vor der Küste Perus erlegen
lässt, nach den Bestimmungen zu klein sind. 1950 schliesst Onassis einen
Vertrag mit Lars Anderson für den Walfang in der Antarktis und in Argentinien.
Anderson gehörte zur norwegischen Nazikollaborationsgruppe Vidkum Quisling.
Ebenfalls 1950 wird ein Geheimabkommen zwischen dem Aussenministerium und den
sieben Ölmultis geschlossen, dass alle Tantiemen für die arabischen
Nationen steuerfrei sind. Onassis gewinnt den Konkurrenzkampf um Tina Livanos
gegen bereits verheirateten Stavros Niarchos, der sich mit der älternen
Schwester zufrieden geben muss.
Über Sasha de Seversky lernt Onassis während dem Krieg den Nobelgangster
Johnny Meyer kennen. Meyer arbeitet für Howard Hughes, für den er
dank seinen ausgezeichneten Beziehungen in Washington Rüstungsaufträge
und Mädchen organisiert.
Quellen: Morgenthaler Piechowiak, Evans, Glaser, Best: 47-49, Morgenthaler, Schweitzer, Levis, Brussell (1983), Haar, Kindhauser, Schröder/Schroeder. Laurent: 13-17.
1939 Karriere von Howard Hughes top
Howard Robard Hughes erbte 1924 mit 19 Jahren die Ölfirma seines Vaters, der mit Ölboom 1901 nach Houston zog und eine Bohrmaschine erfand, die seinen Reichtum begründete. Obwohl noch minderjährig, konnte er den Richter von seinen Kompetenzen überzeugen und brauchte dann die gesamten Firmenreserven von $325'000, um die weiteren Erben auszuzahlen. Noch 1950 beherrscht die Hughes Tool Company 85% des Ölbohrmarktes, was seine enormen Ausgaben weitgehend deckte. Während eine normale Familie mit $4000 pro Jahr lebte, gab er in den ersten beiden Jahren $100'000 für Autos und $550'000 für die Entwicklung eines Prototyps mit Düsenantrieb, $20'000 für Kleider und Schmuck, $20'000 für Hotel- und Unterhaltungskosten und $25'000 für einen persönlichen Telex für die Verbindung nach Wall Street aus und verlor $4 Mio. in Investitionen. Bis zur Krise von 1929 setzte er an der Börse $8 Mio. in den Sand. Hughes zog 1925 nach Hollywood, wo er eine Karriere als Schauspieler, Regisseur, Pilot und Flugzeugbauer startete. Nach einem ersten Fehlschlag, den $80'000 teuren und nie veröffentlichten "Swell Hogan" gewann "Two Arabian Nights" (1928) einen Preis. Für seinen Flieger-Film "Hell's Angels" (1930) kaufte er für über $500'000 mehr als 40 Kampfflugzeuge des Ersten Weltkriegs, womit er die grösste private Flugwaffe der Welt besass. Drei Piloten und ein Mechaniker (und er beinahe) kamen bei den Dreharbeiten ums Leben für den Film, der $4,2 Mio. kostete (wovon nur $2,7 Mio. eingespielt wurden), und Jean Harlow zum Star machte. In den 30er Jahren baute er im Rahmen einer Kinokette das Texas Theater in Dallas, in dem Lee Harvey Oswald verhaftet wird. "Scarface" (1932) und "The Outlaw" (1941) über Billy the Kid mit den gewagten Aufnahmen von Jane Russells Brüsten galten als "pornographisch". Von 1925 bis 1929 war er verheiratet mit Ella Rice, der Tochter des Standard Oil-Vorsitzenden William Stamps Farish, dem Hauptkunden der Hughes Tool. Gleichzeitig führte er ein Playboyleben mit zum Teil ernsthaften Affären mit Katherine Hepburn, Joan Crawford, Constance Bennett, Marian Marsh, Madge Bellamy, Ginger Rogers, Ida Lupino, Billie Dove, Bette Davis, Loretta Young, Olivia de Havilland, Brenda Frazier, Yvonne Shubert, Lana Turner, Jane Greer, Nancy Carroll, Linda Darnell, Gene Tierney, Marilyn Monroe, Gail Ganley, Sallilee Conlon, Phyllis Applegate, Joyce Taylor, Barbara Hutton, Dorothy Jordan, Timmie Lansing und vielen anderen Starletts. Hughes holt sich die Syphilis, von der er trotz radikalen Kuren nicht geheilt wird. Einige der Mädchen beschaffen ihm William Randolph Hearst jr. und Cary Grant. Seine Geliebten lässt er von Detektiven überwachen, verzichtet aber deshalb selbst nicht auf beinahe tägliche Seitensprünge. Bei Ava Gardner entlarven die von Detektiv Frank Angell und seinem Team von Spezialisten gesetzten Wanzen ihr Verhältnis mit Mickey Rooney, worauf Hughes ihre Wohnung stürmt. Beim folgenden Streit wirft ihm Ava eine Bronzeglocke an den Kopf, so dass er hospitalisiert werden muss. Den meisten, oft noch sehr jungen Mädchen wie der 15jährigen Faith Domergue, schenkt er teuren Schmuck und kiloweise Blumen, beeindruckt sie mit seinen Flugzeugen und verspricht die Heirat, damit sie mit ihm ins Bett steigen. Bei seiner Affäre mit Rita Hayworth wird diese von zwei Detektivteams im Auftrag von Ehemann Orson Welles und Columbia-Boss Harry Cohn beschattet. Rita wird schwanger von Hughes und lässt abtreiben.
Der beinahe taube Hughes flog als Kopilot Charles W. Howard bei der American
Airways, bis der Schwindel bemerkt wurde. Um das schnellste Flugzeug zu bauen,
gründete er die Hughes Aircraft Company und stellte in den 30er Jahren
mehrere Flugrekorde auf. Offenbar gab es mehrere Sabotageversuche bei seinen
Geschwindigkeitsrekorden.
Mit Beginn der Depression musste Hughes, der monatlich Hunderttausende ausgab,
die Hughes Tool verpfänden und seine Ausgaben auf $250'000 pro Jahr reduzieren.
Zusammen mit Noah Dietrich baute er daraufhin die Firma neu auf, stellte 200
Wissenschafter und Sanierer Fred Ayers ein, die die Gewinne von $6 Mio. 1935
auf $13 Mio. 1937 und $22 Mio. 1941 steigern können. Zudem geht er gnadenlos
gegen Konkurrenten vor und beteiligt sich offenbar an Mafiageschäften,
da zu seinen regelmässigen Gästen Lucky Luciano und Bugsy Siegel gehören.
1939 kauft Hughes 200'000 Aktien der Trans World Airlines, was einem Anteil
von 21% entspricht, den er durch permanente Käufe bis Ende 1940 auf 78%
steigert. Bei Lockheed bestellt Hughes geheim 40 der eigens entwickelten Constellation
für $18 Mio. Gleichzeitig hofft Hughes vergebens, Militärflugzeuge
für den Zweiten Weltkrieg bauen zu können. Henry J. Kaiser, der die
Liberty Ships produziert, verschafft ihm einen Auftrag über $18 Mio. für
die Entwicklung und Produktion von Grossraumwasserflugzeugen (Spruce Goose)
innerhalb eines Jahres, was ihm nicht gelingt. Um zu besseren Aufträgen
zu kommen, engagiert Hughes Johnny Meyer, in dessen Nachtklub hohe Militärs
und der Präsidentensohn Colonel Elliott Roosevelt verkehrt, den er mit
der Schauspielerin Faye Emerson verkuppelte. Meyer zahlt die Hotel- und Nachtklubrechnungen
der geladenen Militärs, die vom FBI observierten 3 Galas mit engagierten
Mädchen und das Hochzeitsfest der beiden, worauf Hughes dank Roosevelt
den Auftrag für 98 XF-11-Aufklärungsflugzeuge für $43 Mio. erhält.
Aber aufgrund seines autokratischen Perfektionismus wird kein Wasserflugzeug
und kein Aufklärer bis zum Kriegsende fertiggestellt. Der zunehmend irre
Hughes stürzt auf dem Testflug mit der vollgeladenen Constellation im April
1943 beinahe ab, weil er zwei Motoren abstellt, und einen Monat später
mit seinem Wasserflugzeug ins Wasser, wobei zwei Mitarbeiter sterben. Nachdem
er im Oktober 1944 einen Teil seiner Dokumente verbrannte, organisiert er in
seinem Verfolgungswahn eine dreimonatige bizarre Flucht durch verschiedene Staaten.
In Louisiana wird "der Landstreicher" verhaftet, und in Fort Lauderdale
verbrennt er seine Kleider. Das FBI verwanzt selbst das Telephon seines Hotelzimmers
in Vancouver, wo er auf der Jagd auf Yvonne De Carlo dank seiner Treibstoff-Privilegien
des Kriegsministeriums hingeflogen ist. Um eine Verbreitung dieser Beziehung
zu verhindern, lässt Hughes den Medienleuten sehr teuren schottischen Whiskey
zukommen. Im Juli 1946 fliegt er trotz Warnungen allein den ersten Testflug
mit dem XF-11-Prototypen in ein Villa in Beverly Hills und verletzt sich so
sehr, dass keiner der Ärzte glaubt, dass er überleben werde.
Quellen: Drosnin, Best: 47-49, Brown/Broeske: 4-224, 256f, 394-399.
1941 Angriff auf Pearl Harbor top
Vier Monate vor Pearl Harbor informiert der deutsch-englische Doppelagent Dusan Popov Hoover über die bevorstehende Attacke der Japaner. Obwohl das MI-6 Popov nach New York schickt, reagiert Hoover unkooperativ mit Vorwürfen über dessen Lebensstil. Der britische MI-6 übermittelt Hoover noch andere Informationen über die japanischen Vorbereitungen und Pläne. Am 25.11.41 notiert US-Verteidigungsminister Henry Stimson nach einer Unterhaltung mit Präsident Roosevelt über die Japaner in sein Tagebuch: "Die Frage war, wie man sie in eine Position manövrieren könnte, in der sie den ersten Schuss abgeben würden, ohne dass uns allzuviel passiert... es war wünschenswert, sicherzustellen, dass die Japaner dies wären, [die den ersten Schuss abgeben], so dass niemand auch nur den geringsten Zweifel haben könnte, wer der Aggressor war." Schon 1932 und 1938 war der Stützpunkt zweimal bei Marineübungen "überfallen" worden - einmal von 152 Flugzeugen - und jedes Mal war die Verteidigung völlig überfordert.
Bis 1895 waren die Hawaï-Inseln ein selbständiges Königreich, das 1898 wegen seiner strategischen Bedeutung im spanisch-amerikanischen Krieg von den USA annektiert und erst 1959 regulärer Bundesstaat wurde. Als Roosevelt befielt, die Flotte von der Westküste dorthin zu verlegen, protestiert der amtierende Admiral Richardson dagegen und weigert sich schliesslich sogar, den Befehl auszuführen. Er wird durch Admiral Kimmel ersetzt - den man nach dem japanischen Angriff wegen Nachlässigkeit vor einen Untersuchungsausschuss bringt. Er wird freigesprochen, als bekannt wird, dass man ihm 188 entschlüsselte japanische Nachrichte vorenthalten hat, aus denen der bevorstehende Angriff samt Datum und Uhrzeit hervorging. Die Amerikaner hatten sämtliche Codes der japanischen Seite entschlüsselt und können den militärischen und politischen Funkverkehr verfolgen. Auch holländische und russische Nachrichtendienste haben vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt. Roosevelt provozierte den Angriff, um in den Krieg eintreten zu können, denn sonst ist der Kongress nicht zu einem solchen Schritt zu bewegen.
Nach dem Pearl Harbour-Angriff am 7.12.41 gründet Roosevelt das Office of Coordinator of Information, das ihm direkt untersteht und setzt seinen ehemaligen Klassenkameraden William Donovan als dessen Direktor ein. Im Juni 1942 wird daraus das Office of Strategic Services mit erweiterten Kompetenzen. "Wild Bill" Donovan, Wallstreet-Anwalt, Millionär und Republikaner stellt die unterschiedlichsten Leute ein, wie die späteren Vertreter der Neuen Linken Norman O. Brown und Herbert Marcuse, Liberale wie Arthur M. Schlesinger, Jr. und selbst Kommunisten, die im Spanischen Bürgerkrieg in der Abraham Lincoln Brigade gekämpft hatten. Hoover verlangt, dass die Kommunisten gefeuert werden, worauf Donovan meint, er würde selbst Stalin einstellen, um Hitler zu bekämpfen. Allein 2000 Wissenschaftler arbeiten in Washington als Analytiker für das OSS. Aber auch viele von Donovans konservativen Geschäftspartnern arbeiten für das OSS, die auf dem Höhepunkt 13'000 Mitarbeiter umfasst, ohne die Informanten.
Die unterschiedlichen Positionen führen schon bald zu Grabenkämpfen, insbesondere wegen der Unterstützung von linken oder rechten Partisanengruppen in Frankreich, Jugoslawien, China oder Italien. Der bekannteste Fall ist derjenige von OSS-Major Holohan, dessen Team eine Partisanengruppe in den italienischen Alpen infiltrierte. Holohan wird vermutlich von seinem Kollegen Aldo Icardi wegen den politischen Differenzen ermordet. 1956 erreichen der CIA-Anwalt Edward Bennett Williams und und sein Freund Robert Maheu einen Freispruch Icardis. Das OSS unterstützt die katholischen Partisanen, zu denen alle wichtigen Nachkriegspolitiker der DC wie Giulio Andreotti, Enrico Mattei oder Aldo Moro gehören, um die Machtergreifung der kommunistischen Partisanen nach dem Zusammenbruch des Faschismus zu verhindern. In Jugoslawien unterstützt das OSS sowohl die kroatischen Partisanen von Tito, der in den 30er Jahren für die Komintern arbeitete, wie auch die serbischen Tschetniks des royalistischen Mihailovic. Wegen dem Druck Churchills wird die Unterstützung der Tschetniks 1944 aufgegeben.
Das OSS arbeitet eng mit dem britischen Geheimdienst zusammen, dessen Agenten versuchen, die Amerikaner für den Erhalt des britischen Imperiums einzusetzen. Donovans Geheimdienstagenten brechen in die Botschaften von deutschfreundlichen Regierungen ein, um die Entschlüsselungscodes zu klauen. Schon bald nach Gründung richtet das OSS eine Gewerkschaftsabteilung unter Arthur J. Goldberg ein, die Verbindungen zu amerikanischen und europäischen Gewerkschaften aufbaut, was sich als äusserst wertvoll erweisen soll. Über diese Verbindungen gelingt es der CIA nach dem Krieg, die Gewerkschaften in Europa von den Kommunisten zu säubern: in Italien über die Koalition der christlichen Gewerkschaften; in Frankreich, wo Charles de Gaulle eine Machtübernahme der Kommunisten bei der Befreiung von Paris verhindern kann, indem das OSS den Waffennachschub verzögert und die kommunistische Résistance ausblutet, und über die Spaltung der Force Ouvrière; in Westdeutschland über den Wiederaufbau der antikommunistischen Einheitsgewerkschaft. In Österreich wird über die Bau- und Holzarbeitergewerkschaften sogar eine geheime paramilitärische Organisation aufgebaut und finanziert.
Der FBI-Direktor J. Edgar Hoover überwacht das OSS und sabotiert dessen Arbeit aus Eifersucht. Während einem Einbruch in die Spanische Botschaft in Washington fahren zwei FBI-Autos mit heulenden Sirenen vor und die OSS-Agenten werden von der alarmierten Polizei verhaftet. Aber Roosevelt unternimmt weder etwas gegen Hoover noch gegen Donovan. Hoover, der bis zu seinem 43 Jahr bei seiner Mutter wohnt, waltet nach dem Kriegseintritt der USA als Medien-Zensor und macht die Zeitungen mundtot. 1942 werden auf Hoovers Initiative 120'000 Amerikaner japanischer Herkunft in Konzentrationslager interniert. Auch viele Deutsch-Amerikaner werden völlig grundlos als Nazis verdächtigt, interniert und teilweise nach Deutschland zurückgeschickt, im Austausch gegen amerikanische Kriegsgefangene. Im Herbst 1944 schlägt Donovan dem Präsidenten vor, das dem Generalstab unterstellte OSS in einen eigenen Geheimdienst umzuwandeln, was Hoover sofort an die Öffentlichkeit bringt, um die Idee zu sabotieren. Auch General Douglas MacArthur, der dem OSS jede Operation im Pazifik verboten hat, wehrt sich gegen einen Central Intelligence Service.
Hoover hasst die First Lady, Eleanor Roosevelt, da sie politisch aktiv, liberal und den Schwarzen gegenüber aufgeschlossen ist. Der FBI-Chef lässt ihr Privatleben akribisch ausspionieren, so dass ihre im Geheimarchiv untergebrachte Fiche 449 Seiten umfasst. Im Januar 1942 brechen FBI-Agenten in New York im Hauptquartier des American Youth Congress ein, dessen Leiter, Joseph Lash, ein vermuteter Liebhaber der First Lady ist, und photographieren dessen Korrespondenz. Lash wird aufgrund dieses weitergegebenen Materials abgelehnt, als er sich um eine Stelle bei der Navy bewirbt. Mit gleichem Ziel bricht das FBI im Dezember im Büro des International Student Service ein. Auch das Army Counter-Intelligence Corps überwacht die First Lady: es verwanzt 1943 das Blackstone Hotel in Chicago, in dem Lash und Roosevelt absteigen und geben das Material Roosevelt weiter. Lash wird daraufhin in den Pazifik geschickt. Hoover ist ebenfalls im Besitz dieser Infos.
Hoover startet auch eine Kampagne wegen angeblicher Homosexualität gegen
Vizeaussenminister Sumner Welles, worauf Roosevelt seinen Freund entlassen muss
und plant, Hoover nach dem Krieg abzusetzen.
Mit Hoover arbeitet auch Francis Spellman, der nach der Nomination seines Freundes
Eugenio Pacelli zum Papst Pius XII. 1939 zum Erzbischof von New York ernannt
wurde. Spellman durchreist als Geistlicher problemlos die Kriegszonen und amtet
als Geheimagent für Roosevelt. Nach dem Krieg unterstützt Spellman
seine Freunde Roy Cohn und Joe McCarthy bei der Kommunistenjagd, wird einer
der zentralen Figuren im Machtgefüge New Yorks, nimmt an Pentagon-Sitzungen
teil, diskutiert Militärstrategien mit dem Generalstab, sammelt Informationen
für die CIA und das Aussenministerium und geschäftet mit Joe Kennedy
und John Reynolds.
Quellen: Summers (1993): 125-150, Theoharis/Cox: 200-255, Schulz: 53,161,325, Best: 24ff, Cran, Collier/Horowitz: 149, 308, Chotjewitz: 15-20, Cooney, Todd, Pletschinger/Bredenbrock, Chomsky (2001), Bröckers, Bülow (2003): 246f.
Im Gegensatz zum Warenhandel laufen die Finanztransaktionen zwischen Deutschland
und den USA nach der Besetzung Europas durch Deutschland praktisch unverändert
weiter. Prescott Bush handelte mit der deutschen Luftwaffe und betrieb andere
Geschäfte mit den Nazis, so dass 1942 Firmen, an den er beteiligt ist,
wegen "Handel mit dem Feind" eingezogen werden: die Union Banking
Corporation, die Holland-American Trading Corporation, die Seamless Steel Equipment
Corporation, die Hamburg-Amerika Line/Hapag-Lloyd und die Silesian-American
Corporation.
Fritz Thyssen, der Adolf Hitler seit 1923 finanziert, und W. Averell Harriman
beschlossen 1922, gemeinsam die Union Banking Corporation aufzuziehen, was 1924
geschah. Zusammen mit dem Wall Street Banker Clarence Dillon und der Beteiligung
von Friedrich Flick gründeten sie 1926 die Vereinigte Stahlwerke/German
Steel Trust, die die SA (Sturm-Abteilung) und SS (Schutz-Staffel) finanzierten.
Dass die deutsche SS Totenkopf und Knochenkreuz der "Skull & Bones"
in ihr Ordenssymbol übernahm, wird Bush und seinem Partner Harriman, die
beide 1913 initiiert wurden, gefallen haben. Sowohl Thyssens wie Flicks Bankgeschäfte
fliessen über die von Bush geführte Union Banking. Dillons riesige
Spekulationspyramide U.S. & International Securities Corp. (USIS) betrog
Aktionäre um Hunderte von Millionen und trug wesentlich zum Börsenkrach
bei. Harriman traf sich 1927 auch mit Benito Mussolini.
Die Fusion zu Brown Brothers Harriman 1931, der nun grössten und politisch
einflussreichsten Privatbank der USA, eröffnete über Thatcher Brown
die Beziehungen zum Direktor der Bank of England, Montagu Collet Norman, einer
der wichtigsten Hitler-Unterstützer im englischen Filz. Auch Sir Henri
Deterding, Vorsitzender der weitgehend der britischen Königsfamilie gehörenden
Royal Dutch finanziert Hitler. Ohne die Gelder von Thyssen (über seine
Bank voor Handel en Scheepvaart) und von Harrimans Hamburg-Amerika Line (als
Teil der American Ship and Commerce Corp.) wäre Hitler 1933 nicht an die
Macht gekommen. Dank Norman, Harriman und Bush konnte eine Übernahme des
nach dem Börsenkrach bankrotten deutschen Stahlkonglomerats durch die katholische
Zentrumspartei verhindert und die Kontrolle durch Thyssen gesichert werden.
Mitbeteiligt an der Finanzierung der teuren Wahlpropaganda mit Harriman und
Bush war Hjalmar Schacht und Baron Kurt von Schroeder, Direktor der Thyssen-Hütten
mit engen Beziehungen zu den Dulles-Brüdern. Schroeder ist SS-Brigadeführer
und gehört als Bankier der Stein Bank zu den Geldgebern Himmlers. Schroeders
und Montagu Normans Protégé Hjalmar Schacht wurde Hitlers Financier.
Baron Rudolph von Schroeder ist Vizepräsident und Direktor der Hamburg-Amerika
Line, die mit ihren Finanzierungen die von der Regierung 1932 beschlossene Auflösung
von Hitlers Privatarmee von 300'000 bis 400'000 Mann verhindern konnte. Hitlers
SA, mit Waffen aus amerikanischer Produktion ausgestattet, zerschlug die Opposition
daraufhin nachhaltig.
Samuel Pryor, Gründungsmitglied der Union Banking und der American Ship
and Commerce, ist Vorsitzender der Remington Arms, die ein Sprenstoff-Kartell
mit der I.G. Farben einging, wonach über Holland grosse Mengen an Waffen
nach Deutschland geliefert wurden. An ähnlichen Waffenlieferungen zwischen
Du Pont und I.G.Farben war auch Walter S. Carpenter, ein weiterer Freund von
Bush, beteiligt. Obwohl diese Deals mit den Nazis dann wie bei Bush unterbunden
wurden, blieb Carpenter am Manhattan Project zum Bau der ersten Atombombe involviert
und präsidierte Du Pont von 1948 bis 1962.
Ebenfalls beteiligt an der Hamburg-Amerika Line und späteren Hapag-Lloyd
war der berühmte Jude und Hitler-Unterstützer Max Warburg. Frederick
M. Warburg, einer der Direktoren von Harrimans Eisenbahnnetz, kontrolliert das
American-Jewish Committee, das sich von 1933 bis zum Kriegsbeginn gegen einen
Boykott Nazi-Deutschlands einsetzte. Dank einem Vertrag, der von Hjalmar Schacht,
John Foster Dulles, Max Warburg und Kurt von Schroeder geschrieben wurde, liefen
ab Mai 1933 alle deutschen Exporte in die USA über die Harriman International.
Mit der Unterstützung von Prescott Bush und Felix Warburg von der Kuhn
Loeb and Co. organisierte der spätere Aussenminister John Foster Dulles
während den 30er Jahren die Schuldenrestrukturierungen für deutsche
Firmen und ermöglichte damit die Umstellung auf die Rüstungsproduktion,
wofür die beiden enorme Summen kassierten. US-Investoren unterstützen
die Nazis nicht heimlich, sondern so offen, dass der US-Botschafter in Deutschland,
William E. Dodd, 1937 einem Reporter der "New York Times" mitteilt:
"A clique of U.S. industrialists is hell-bent to bring a fascist state
to supplant our democratic government and is working closely with the fascist
regime in Germany and Italy. I have had plenty of opportunity in my post in
Berlin to witness how close some of our American ruling families are to the
Nazi regime...."
Polens grösstes Industriekonglomerat, die Upper Silesian Coal and Steel
Company, wird von Friedrich Flick und der Harriman Fifteen Corporation über
die Silesian-American Corporation kontrolliert, bei der auch Persott Bush im
Verwaltungsrat sitzt. Die polnische Regierung verlangte 1934, dass Bush, Harriman
und ihre Nazipartner wenigstens die normalen Steuern zahlen. Der Konflikt wurde
im September 1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen gelöst, wobei
ironischerweise die russischen Panzer, die den Osten Polens besetzten, mit dem
Öl von Harriman/Walker/Bush-Konzessionen fuhren. In einer der polnischen
Minen von Bushs Firma werden Zwangsarbeiter eingesetzt.
Der Ölhandel bleibt während dem Krieg erstaunlich intakt. Rockefellers Standard Oil of New Jersey beliefert Deutschland auch im Krieg, und der Vertreter von Standard Oil in Deutschland, Emil Helfferich, repräsentiert zugleich die Hapag-Lloyd. William Stamps Farish organisierte das Kartell von Standard Oil of New Jersey, der späteren Exxon, mit der I.G.Farben, die seit 1940 mit Zwangsarbeitern in Auschwitz produziert. Walter Teagle von Standard Oil arbeitet eng mit Hermann Schmitz von I.G.Farben zusammen, und die Amerikaner, auch Texaco, liefern den Deutschen Benzin, Motorenöle und Diesel für die Flugzeuge, Panzer und U-Boote. Dank dem deutsch-amerikanischen Geheimabkommen werden die Anlagen der I.G.Farben für die Herstellung von sythetischem Benzin aus Kohle finanziert, und die von KZ-Häftlingen betriebene Anlage in Oberschlesien hilft, die Folgen des alliierten Embargos abzuschwächen. Die Freundschaft und Zusammenarbeit von Humble Oil-Gründer Farish und Prescott Bush begann 1929, als Harriman die Dresser Industries kaufte, deren Direktor Bush wird. Bush und Farish schmieren SS-Chef Heinrich Himmler über Emil Helfferich, Kurt von Schroeder und Karl Lindemann, Verwaltungsratsmitglied der Hamburg-Amerika-Line, bis 1944.
Harriman, Rockefeller und Bush organisierten und bezahlten Eugenik-Kongresse mit Nazi-Ideologen wie Dr. Ernst Rüdin oder Alfred Plötz in den USA. Auf Initiative von Rüdin wurden 250'000 Blinde, Taube und Alkoholiker sterilisiert, wozu sie eine Generation von Ärzten ausbildeten. Seit Kriegsbeginn werden Behinderte und "Degenerierte" meist umgebracht. Dillon, Farish und sein Freund Hermann Schmitz, der Vorsitzende der I.G.Farben, bezahlen den Werber Ivy Lee, der Pro-Nazi-Propaganda in den USA betreibt.
Farish lässt den Nazis Patente ("Auschwitzpatente") zukommen, die er der US-Militärindustrie vorenthält. Auf Initiative von Verteidigungsminister Henry L. Stimson stoppt Roosevelt im April 1942 die Senatskommission, die Kartellallianzen von deutschen und amerikanischen Firmen untersucht. Obwohl Farishs Rolle als Kriegsunterstützer der Nazis publik wird, bleibt die Farish-Bush-Verbindung die finanzielle und politische Basis für die Karriere von George Bush. Prescott Bush wird, obwohl rechtlich für die Bankoperationen mit den Nazis verantwortlich, in den Beschlagnahmungs-Verfügungen nicht erwähnt.
General William H. Draper Jr. arbeitete bei Dillon Read & Co, wo er die Konten von Fritz Thyssen verwaltete und die German Credit and Investment Corp. bis im November 1943 leitete, und Hitler unterstützte. Er finanzierte zusammen mit Harriman, Rockefeller und Prescott Bush bereits 1932 den Internationalen Eugenik-Kongress in New York und ist Gründer und Präsident des Population Crisis Committee. Nach dem Krieg wird Draper, selbst 15 Jahre lang an den übelsten Nazi-Geschäften beteiligt, zum Chef der Wirtschaftsabteilung der US-Kontrollkommission ernannt und leitet die "Entflechtung" der faschistischen Korporationskartelle. Dabei bestimmt er, wer sein Business behalten und wer vor Kriegsgericht gestellt wird, und kann nicht nur seine eigenen Profite mit den Nazis, sondern auch beispielsweise die von Harriman und Bush geheimhalten. Draper arbeitet später mit Averell Harriman für die NATO, ist Berater Eisenhowers und Johnsons und fördert Bushs Karriere.
Nach seinem dubiosen Abschuss im Pazifik, wobei seine beiden Kollegen ums Leben kommen, studiert Veteran George Bush an der Yale und wird Mitglied der Russell Trust Association. Die Geheimgesellschaft wurde 1833 von William Huntington Russell gegründet, dessen Russell and Company die grösste und durch Opiumhandel reichste kriminelle Organisation (mit Partnern wie John Murray Forbes, Joseph Coolidge, Warren Delano, Jr. oder Russell Sturgis) in den USA war, und verwendet das Piratenemblem der Skull and Bones'. Eine lange Reihe von einflussreichen Leuten gehörte zu den S&B wie Präsident William Howard Taft, Gifford Pinchot, Robert Lovett, Richard M. Bissell, McGeorge Bundy oder Henry L. Stimson. Stimson, initiiert 1888, ist bis zu seinem Tod 1950 Minister unter 7 Präsidenten. Als Kriegsminister Roosevelts ist "The Colonel" einer der Architekten des 2. Weltkriegs und des anschliessenden Kalten Kriegs. Die Ideologie der S&B-Brüder geht nicht nur von einer Überlegenheit der weissen Rasse aus, sondern auch von ihrem Recht, als elitäre Ritter dieser Rasse die Geschicke der Menschheit zu kontrollieren.
Quellen: Tarpley/Chaitkin: 21-44,74-100, Ploppa, Schröder/Schroeder, Karel (2003, 2004).
1942 Kooperation von Mafia und Militär top
Seit dem Kriegseintritt am 11.12.41 haben die USA vor ihrer Ostküste 272
Handelsschiffe durch deutsche U-Boote verloren, ohne dass ein einziger Gegenangriff
erfolgreich gewesen wäre. Kollaboration, Sabotageakte und Spionage im New
Yorker Hafen machen die Marine machtlos. Sowohl die Navy wie auch die Polizei
sind sich bewusst, wer die Häfen kontrolliert und vermuten, dass die Mobster
auch hinter den Sabotageanschlägen stecken. Agenten der Naval Intelligence
durchsuchen deshalb die Häfen nach Deutschen und Italienern, die für
die Deutschen arbeiten. Die Ermittlungsabteilung des amerikanischen Marinenachrichtendienstes
B-3 unter Charles Redcliffe Haffenden stösst bei ihren Nachforschungen
auf unerwarteten Widerstand der Docker und Fischer und sucht deshalb Hilfe von
Insidern.
Über Murray I. Gurfein wird Kontakt zu Joseph Lanza, dem Chef der Ortsgruppe
der United Seafood Workers, hergestellt. Da gegen "Socks" Lanza solides
Beweismaterial vorhanden ist, um sieben Anklagen wegen Erpressung und Konspiration
durchziehen zu können, zeigt sich Lanza kooperativ und schlägt vor,
den inhaftierten Luciano einzuschalten. Die Anastasia-Brüder beschliessen,
die Freilassung von Lucky Luciano zu erpressen und versenken am 9.2.42 die Normandie,
ein französischer Luxusdampfer, der zu einem Truppentransporter umfunktioniert
worden war, im New Yorker Hafen. Über Lucianos Anwalt Moses Polakoff und
Meyer Lansky laufen Haffendens Kontakte mit Luciano, der am 12.5.42 nach Comstock
ins Great Meadow Gefängnis verlegt wird. Polakoff machte eine verblüffende
Karriere als Richter, Staatsanwalt, Chef der Kriminalabteilung und Mitglied
der Oberstaatsanwaltschaft in New York und arbeitet seit 1935 für Luciano.
Der unbestrittene Boss bekommt als Gegenleistung für seine Garantie, dass
keine Sabotageakte mehr vorkommen, das Recht auf freien Besuchskontakt mit der
Aussenwelt, was ihm die Leitung seines Imperiums ermöglicht.
Auch Meyer Lansky, der schon vor dem Krieg nationalsozialistische Demonstranten
verprügeln liess, setzt sich für das B-3 ein, indem er unter anderen
Vincent Alo als Informant über die Hafensicherheit und Johnny "Cockeye"
Dunn als Beschaffer von Gewerkschaftsausweisen für das B-3 heranzieht.
Lansky trifft sich zweimal mit Anwalt Murray Gurfein, der Assistent von OSS-Chef
Donovan wird. Am 27.7.42 können acht deutsche Geheimagenten mit Sprengstoff
für geplante Sabatogeakte verhaftet werden. Die Erfolge der deutschen U-Boote
können erheblich eingeschränkt werden, was aber auch auf neue Konvoi-Massnahmen
zurückzuführen ist. Anfang 1943 ist der New Yorker Hafen die grösste
Nachschubbasis für den Krieg in Europa.
Winston Churchill setzt sich mit dem Plan bei den Allierten durch, zunächst in Italien zu landen, worauf das OSS seine Aktivitäten dort forciert. Earl Brennan vom Secret Intelligence verfügt über gute Beziehungen zum Vatikan und hat Kontakte zu Mussolinis Geheimpolizei und zu Mafiabossen im Exil. Das päpstliche Aussenministerium unter Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst Paul Vl, offeriert dem amerikanischen Geheimdienst eine Karte mit den wichtigsten italienischen Kriegsbetrieben. Brennan besetzt seine Abteilung fast ausschliesslich mit Sizilianern und stützt sich auf vier in den USA bestehende Italienerorganisationen: 1. Die 1904 gegründete ultrakonservative Emigrantenvereinigung "Sons of Italy" mit 500'000 Mitgliedern, mit deren Hilfe das "Amerikanische Komitee für die Demokratie in Italien" gegründet wird und das den Machtwechsel in Italien ideologisch vorbereiten soll. 2. Die "Mazzini-Gesellschaft", in der fast alle italienischen Antifaschisten organisiert sind. Zu ihrer Spitze gehören Max Ascoli, der erste Aussenminister nach dem Faschismus, Carlo Sforza, der Gründer der Christdemokratischen Partei, Don Luigi Sturzo, der erste Botschafter in Washington nach dem Krieg, Alberto Tarchiani, erster Präsident der Republikanischen Partei Italiens, oder die OSS-Agenten Randolfo Pancciardi und Serafino Romualdi, die graue Eminenz der Gesellschaft. 3. Die italo-amerikanische Gewerkschaft, das Arbeitsfeld Romualdis. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1945 beteiligt er sich massgeblich an der Spaltung der italienischen Gewerkschaftsbewegung. 4. Die Mafia, die die Eroberung Italiens tatkräftig unterstützt. Im B-3 von Haffenden wird ein Kartenzimmer eingerichtet, und Italiener und Sizilianer helfen, detaillierte Karten zu erstellen.
Coca-Cola-Boss Robert Woodruff schickt mit der Armee 248 Firmenvertreter auf die Schlachtfelder, die dafür sorgen, dass die Soldaten jederzeit mit der schwarzen Brause versorgt werden. Die US-Armee verleiht den Repräsentanten den pseudomilitärischen Rang als uniformierte technische Beobachter und stellt Flugzeuge und Schiffe für den Transport des Getränks zur Verfügung. Auf allen Kontinenten werden Abfüllanlagen eingerichtet, häufig auf Regierungskosten. Bis Kriegsende konsumieren 11 Mio. Soldaten 10 Mia. Flaschen Coke und verbreiten das Getränk, das seit 1929 kein Coca-Extrakt mehr enthält, in den eroberten Ländern. Das Coca-Cola-Emblem ersetzt das Hakenkreuz und wird mit Freiheit assoziiert. Deshalb kann The Economist den Coca-Cola-Index erfinden: Je mehr Coke in einem Land getrunken wird, desto freier, gesünder, wohllhabender und gebildeter seien die Bürger. Es ist nicht bekannt, wieviel Geld die englische Zeitschrift dafür von der Softdrinkfirma aus Atlanta erhielt.
Quellen: Davis (1994): 59-61, Behr: 171, Bradley, Chotjewitz: 15-20:15ff, Potter: 3, Russel (2000), Best: 6, Ansom: 291f, Callahan:129, Konkret Nr.7/1973: 49f, Bröckers, Pendergrast.
1942 USA und Frankreich top
Washington plant, nicht nur Deutschland, Italien und Japan, sondern auch Frankreich
unter die Protektoratsverwaltung der American Military Government of Occupied
Territories (AMGOT) zu stellen, um zu verhindern, dass Frankreich wieder als
Störenfried auftreten könnte wie 1918/19, als es sich gegen die amerikanische
Deutschlandpolitik wehrte. Zudem würde Frankreich sein an Rohstoffen und
strategischen Stützpunkten reiches Empire nicht freiwillig öffnen,
was die USA für ihre Waren und ihr Kapital seit 1899 fordern. Deshalb bekämpft
Washington Charles de Gaulle, vor allem seit sich die Résistance unter
seinem Namen vereinigte, und toleriert das Vichy-Regime, das es für fügsamer
hält als eine von der breiten Bevölkerung getragene Regierung.
Seit Dezember 1940, ein Jahr vor dem Kriegseintritt, bereitet der Sonderbeauftragte
Robert Murphy die Eroberung Nordafrikas vor. Murphy gewinnt Admiral François
Darlan, der von Februar 1941 bis April 1942 an der Spitze des Vichy-Regimes
stand, als Verbündeten. Drei Tage nach der Landung der Amerikaner in Nordafrika
lässt Pétains Stellvertreter Darlan am 10.11. alle Kampfhandlungen
auf Seiten Nazi-Deutschlands einstellen, worauf die Deutschen am nächsten
Tag Südfrankreich besetzen. Am 22.11. lässt General Mark W. Clark
den gewendeten Admiral ein geheimes Abkommen unterschreiben, das Frankreich
zu einem Vassallenstaat mit Kapitulationsauflagen erklärt und den Allierten
die Kontrolle der Häfen, Befestigungsanlagen, Waffenlager und Kommunikations-einrichtungen
und das Recht auf Beschlagnahmungen gestattet. Andere Bereiche wie Verwaltung,
öffentliche Ordnung, Wirtschaft und Zensur sollten "gemischten Ausschüssen"
übertragen werden. Am 27.11. versenkte sich die französische Flotte
vor Toulon selbst.
Die Gaullisten sind an der Ermordung von Darlan am 24.12.42 beteiligt. Danach
wendet sich Washington an General Henri Giraud, der einflussreiche Figuren aus
Wirtschaft und Politik hinter sich hatte. Da er aber mit de Gaulle auf guten
Fuss steht, präferieren die Amerikaner Pierre Pucheu, die Symbolfigur des
Vichy-Regimes: Industrie- und Innenminister unter Darlan, Vertreter der Banken
und der Schwerindustrie, Sponsor und Politiker der rechtsextremen Parti Populaire
Français, Befürworter der Kollaboration mit den Nazis und treibende
Kraft der antikommunistischen Repression. Giraud und de Gaulle schalten Pucheu
aus: er wird zum Tod verurteilt und im März 1944 in Algier hingerichtet.
Das am 3.6.43 von de Gaulle gegründete Comité Français de Libération Nationale kann dank einem Freundschaftsvertrag mit Moskau verhindern, dass der Dollar in den befreiten Gebieten eingeführt und die provisorische Regierung der französischen Republik von der Amerikanern und Briten am 23.10.44 anerkannt werden muss. Obwohl Frankreich in Jalta nichts zu sagen hat, sorgt Stalin dafür, dass es nicht zum Protektorat degradiert wird.
Quellen: Lacroix-Riz .
1943 Mafia, Roosevelt und Hollywood top
Die Polizei stellt Paul Ricca, Frank Nitti, Phil d'Andrea, Louis Campagna, Frank
Maritote, Johnny Roselli und Charlie Gioe im März 1943 unter Anklage. Drei
Jahre zuvor untersuchte die Polizei die Gewerkschaft von Willie Bioff und entlarvte
die Korruption in Hollywood. Bioff und George Browne wurden wegen Erpressung
verurteilt, wonach Sydney Korshak zur Verbindung zwischen Kinoindustrie und
der Mafia von Chicago wird.
Auch ihr Komplize Joe Schenck, Produzent bei der Twentieth Century Fox, wurde
verurteilt, weil er die jährlichen $400'000 Kommission, die Chicago ihm
bezahlte, nicht versteuerte. Schenck steuerte über den Postminister Farley
$500'000 an die Wahlkampagne Roosevelts bei, wofür dieser den Boss der
Bekleidungsgewerkschaft, Sydney Hillman, zu seinem Berater für Arbeitsprobleme
ernannte.
Zudem ernennt Roosevelt 1944 Harry Truman, den Giancana als "unseren Mann"
bezeichnet, zum US-Vizepräsidenten und zum Präsidenten des Democratic
National Committee. Truman erfüllt im wesentlichen Rpräsentationspflichten
und stellt Roosevelts Machtanspruch nicht in Frage. Hollywood bringt viel zu
viel Geld ein, als dass Chicago sich zurückziehen würde. Johnny Roselli,
der Konzernchefs wie Harry Cohn von Columbia, Harry Warner von Warner Bros.
oder Louis B. Mayer von MGM in der Tasche hat, führte die Geschäfte
in Hollywood weiter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzen das US-Aussenministerium
und die neugegründete Motion Picture Export Association of America (MPEA,
ab 1994 MPA) die Regierungen, die ihre eigene Filmkultur fördern möchten
(wie Chile, Südkorea, Marokko, aber auch die Ostblockländer) unter
Druck und bieten dafür Zugeständnisse in anderen Sektoren von bilateralen
Handelsabkommen.
Obwohl anfangs die Verbindung zu Chicago nicht nachgewiesen werden konnte,
erfolgt im März 1943 die Anklage wegen Erpressung von über $ 1 Mio.
von verschiedenen Studios. Der Mafiaboss Cjhicagos Paul Ricca verlangt von Frank
Nitti, der in der Öffentlichkeit als Padrone gilt, die Verantwortung für
alle zu übernehmen. Aber Nitti bringt sich um, und Paul Ricca und Johnny
Roselli werden zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.
Ricca ernennt Tony Accardo zum Stellvertreter, Murrey Humphreys und Jake Guzik
zu dessen Berater. Im April entführt Accardos Chauffeur Sam Giancana seinen
Mentor und Freund Jake Guzik, der Financier der Chicagoer Mafia, und stellt
ihn vor die Alternative: $200'000 oder eine Kugel. Guzik fügt sich, ebenso
wie die anderen der Organisation, die vom Bioff-Browne-Prozess absorbiert sind.
Um seine Stellung zu sichern, integriert Accardo neue Köpfe in die Organisation:
Gussie Alex, Eddie Vogel und Ross Prio, und arrangiert sich mit den ehemaligen
Capone-Beratern Abe Pritzker, Art Greene und Jake Arvey. "Big Tuna"
Accardo, der fähigste Mobster von Chicago, dehnt die Einflusssphäre
in den Mittleren Westen aus: Des Moines, St.Louis und Dallas.
Quellen: Giancana: 187ff, Jacobovici, Best: 10, Olgiatti, Karel (1), Moldea: 4f, Mattelart.
1943 Italien-Invasion top
Über Joseph Colucci unterstützt der sizilianische Pate Calogero Vizzini
die Sizilien-Invasion der US-Armee. Der Capo di tutti capi schaltet die Nummer
Zwei der Insel, Genco Russo, ein, der Pächter des grossen Gutes ist, auf
dem die deutsche Herman Göring-Division ihr Hauptquartier aufgeschlagen
hat. Russos Männer treiben alle Küstenverteidigungspläne der
italienischen Armee auf und erreichen, dass zwei Drittel der dort stationierten
Soldaten während der Invasion desertieren.
Am 10.7.43 beginnt die amerikanische Invasion Westsiziliens unter General George
Smith Patton. Im Gegensatz zur britischen Invasion unter General Montgomery
im Ostteil der Insel verläuft die amerikanische unproblematisch. Sizilien
wird innerhalb von 35 Tagen befreit, und die "politischen" Gefangenen
werden freigelassen.
Charles Poletti, einflussreiches Mitglied der Mazzini-Gesellschaft, wird amerikanischer Militärgouverneur des Allied Military Government in Palermo. Luciano bezeichnet den ehemaligen Gouverneur von New York als guten Freund. Am 24.7.43 wird Don Calo Vizzini zum Bürgermeister von Villalba ernannt, und 95% der eingesetzten Bürgermeister sind Mafiosi oder Vertrauensleute der Mafia. Bereits nach zwei Monaten hat sich die Macht der Mafia etabliert. 1944 schliessen sich unter der Führung von Enrico Cuccia die bisherigen Herzstücke der italienischen Finanzwelt (die Banca Commerciale Italiana, der Credito Italiano und die vatikannahe Banco di Roma) zur Mediobanca zusammen, die zusammen mit dem Fiat-Konzern von Gianni Agnelli und dem Pirelli-Konzern von Carlo De Benedetti die italienische Industrie bis zum Ende des Jahrhunderts beherrschen wird. Im Gegensatz zum industrialisierten Norden bleibt das Mezzogiorno von Grossgrundbesitz, Mafia und Armut beherrscht. Der im Zuge der Weltwirtschaftkrise 1929 entstandene Staatskapitalismus' Mussolinis setzt sich fort, indem neben dem 1933 gegründeten IRI, das den Bankensektor und 40% der Aktiengesellschaften kontrolliert, nach dem 2. Weltkrieg die Enel und die ENI gegründet werden, womit der Staat 50% des Industriekapitals kontrolliert.
Nach dem Zusammenbruch des Faschismus entsteht auf der Insel eine starke kommunistische Bewegung, hauptsächlich unter den Bauern. Die USA beschliessen, die Kommunisten mithilfe der Mafia zu bekämpfen, unterstützt von der Kirche und den Grossgrundbesitzern. Der Geheimdienst OSS steht über den Rechtsanwalt Vito Guarazi in Kontakt zur Mafia, die die wichtigste Informationsquelle für den US-Geheimdienst ist. Im September 1944 kommt es zu einer ersten Mordwelle, und am 1.5.47 erreicht der Terror seinen Höhepunkt, als ein eigentliches Massaker bei einer Feier in Portella stattfindet. Von 1944 bis 1949 werden über 500 sozialistische oder kommunistische Aktivisten umgebracht, womit diese Gefahr radikal gebannt ist.
Vito Genovese wechselt die Front und stellt sich US-Armee, die soeben Neapel
erobert hat, zur Verfügung. Wegen einer Mordanklage aus den USA geflüchtet
und seit 1939 in Neapel, knüpfte er Kontakte zu hohen Faschisten wie Galeazzo
Ciano, Hermann Göring oder Benito Mussolini und unterstützte sie,
indem er beispielsweise $250'000 für den Bau des Generalquartiers der Faschistischen
Partei beisteuerte. 1942 noch hatte er dem Duce zuliebe den Herausgeber einer
anitfaschistischen Italienerzeitung in New York ermorden lassen, um seine Allianz
mit den Faschisten zu stärken. Carmine Galante der Bonanno-Familie steuerte
den Wagen beim Boccia-Attentat, konnte allerdings, obwohl unter Bewachung stehend,
nicht verfolgt werden, da die Polizeidetektive während dem Krieg keine
Autos zur Verfügung haben.
Charles Poletti setzt Genovese als Berater und Übersetzer des Allied Military
Government ein, wobei er vor allem für Rekrutierung von antikommunistischen
Politikern zuständig ist. Genovese organisiert den Schwarzmarkt mithilfe
amerikanischer Lastwagen, die liefern und gleichzeitig Verkaufsraum bilden,
und er ist der Verbindungsmann zwischen US-Hauptquartier der Armee und der Zivilverwaltung.
Genovese ist auch im Hafen tätig, und man munkelt sogar von einem verkauften
US-Zerstörer. Wegen den Aktivitäten auf dem Schwarzmarkt wird er von
der Criminal Investigation Division der Armee festgenommen und wegen der hängigen
Mordanklage, trotz des Widerstands der amerikanischen Autoritäten, die
ebenfalls in Schwarzmarktaffären verwickelt sind, in die USA zurückgebracht
und vor Gericht gestellt. Da der Hauptzeuge des Boccia-Mordes, Pete Latempa,
im Januar 1945 im Gefängnis vergiftet wird, und die Aussage des zweiten
Zeugen, Ernest "the Hawk" Rupolo, für eine Verurteilung nicht
genügt, kommt Genovese 1946 frei. Rupolo wird im August 1964 mit einbetonierten
Füssen in der Jamaica Bay versenkt.
Frank Costello hatte in New York genügend Tammany-Leute in der Tasche,
um den politischen Apparat der Stadt zu kontrollieren. Costello hat als Stellvertreter
Genoveses seine Macht konsolidiert und wurde der politische Repräsentant
der Mafia in der Oberwelt. Als "Premierminister der Unterwelt" sieht
man ihn in Begleitung von Spitzenpolitikern, führenden Bankern, höheren
Polizeibeamten und Richtern. Zudem hat er sich mit Anastasia verbündet,
der mit seinem Boss Vincent Mangano je länger je mehr Schwierigkeiten hat.
Als Genovese seine Familie in New York wieder übernimmt, behält Costello
eine einträgliche Lotteriebank Genoveses für sich, worauf es zu Feindseligkeiten
kommt.
Priorität der USA hat nach der Eroberung die Entmachtung der Kommunisten,
die bei Kriegsende zwischen 100'000 und 200'000 Partisanen unter Waffen haben.
Dazu arbeitet Serafino Romunaldi an der Spaltung der PSIUP, der sozialistischen
Partei unter Pietro Nenni, was mithilfe des Führers der sozialdemokratischen
Fraktion, Giuseppe Saragat, und zwei Sozialisten im Exil, Modigliano und Silone,
gelingt. Die USA erreichen mit Unterstützung der Sozialdemokraten drei
Zielsetzungen:
1. Die Ausschaltung der früher im Mittelmeerraum starken Briten in militärischer
und wirtschaftlicher Hinsicht.
2. Die Einigung der politischen Mitte.
3. Die Spaltung und Schwächung der Gewerkschaften und der Kommunisten.
Als politische Kraft bieten sich zunehmend die Christdemokraten an, die vom
Vatikan und der Mafia stark favorisiert werden. Damit beginnt eine Allianz der
Geheimdienste, der Mafia und des Vatikan mit den Christdemokraten und dem sozialdemokratischen
Flügel der Sozialisten, die fast 50 Jahre lang funktioniert. Die USA verhindern
konsequent die Säuberung des italienischen Staatsapparates von den Faschisten
und sabotieren die Strafverfolgung von Unternehmern, die vom Faschismus profitierten
und ihn unterstützten. Obwohl mit etwa 2000 Prozessen wegen der Ermordung
von 15'000 italienischen Zivilisten und Partisanen gerechnet wurde, finden bis
1965 nur 13 Verfahren mit 25 Angeklagten statt. Alle anderen hängigen Fälle
werden am 14.1.60 archiviert. Kein einziger italienischer Kriegsverbrecher wird
verurteilt, andere wie der SS-Scherge Eugen Dollmann arbeitete nach dem Krieg
nicht nur für die CIA, sondern auch für den italienischen Geheimdienst.
1946 reorganisieren sich die Faschisten in der Movimento Sociale Italiano, die
1995 in die Alleanza Nazionale umbenannt und 2001 zusammen mit Berlusconi wieder
an die Regierung gelangt.
Quellen: Raith: 20, Chotjewitz: 15-20, Bradley, Delorme: 87-99,105-109, Russel (2000), Meurice, Konkret Nr.7/1973: 50, Musso. Davis (1994): 62f, Delorme: Potter: 3, Best: 7f, Ansom: 292f, Bradley, Horowitz: 52ff, Simpson, Giancana:253f, Schulz: 55,70, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f, Ascherson 1, Karel.
1943 Hoover und Kennedy top
Mit der Hilfe von Hugh Clegg des House Appropriations Committee startet Hoover
1943 ein wirksames Kongress-Lobbying-Programm, mit dem er die Operationen anderer
Agenturen überwachen und sein eigenes Budget beeinflussen kann. Hoover
ordnet drei FBI-Beamte als permanente Assistenten für Clegg ab, und von
1943 bis 1970 dienen 28 FBI-Agenten dem Vorsitzenden des Budget-Komitees, John
Rooney. Rooney wird von Hoover geschützt, da er von der Mafia geschmiert
wird. Laut einem FBI-Report erhält er allein 1967 $100'000.
Hoover legt "Zusammenfassungen" über Abgeordnete an und behauptet deshalb, er führe keine "Akten" über Politiker. Hoover begann damit schon in den 20er Jahren und verfeinerte seine Technik im Laufe der Zeit. Im "Official and Confidential"-Archiv werden 1973 833 Dossiers von Senatoren und 722 von Repräsentanten entdeckt. Ein Teil der Fichen ist dann aber schon vernichtet oder versteckt worden. Seit 1945 wird über jeden Oberrichter, deren Wahl Hoover oft entscheidend beeinflusst, eine Fiche geführt. Die Transkripts der Telephonüberwachungen dieser Richter umfassen allein 20'000 Seiten. Dank diesen Unterlagen kann Hoover beispielsweise ein Hearing vor dem "Subcommittee on Invasion on Privacy" unter Vorsitz von Senator Edward Vaughan Long mit Erpressung verhindern. Obwohl Long die Untersuchung über die Missachtung der Freiheitsrechte durch das FBI einstellt, zerstört eine Kampagne im Life Magazine, die behauptet, er habe von Morris Shenker von der Teamsters Union Schmiergelder angenommen, ein Jahr darauf seine politische Karriere. Auch über Cornelius E. Gallagher, der sich Hoovers Forderung, Robert Kennedy vor dieses Subcommittee zu bringen, widersetzt, wird von Sandy Smith im Life Magazine behauptet, er habe Beziehungen zur Mafia. Die erfundenen Beweise bekam Smith von Cartha DeLoach. Das FBI bricht bei Gallagher ein und hört sein Telephon ab.
Joe Kennedy, der Hoover seit den 20er Jahren kennt, arbeitet hart daran, ihm den Honig um den Mund zu schmieren. So spendet er grosse Summen an die J. Edgar Hoover Foundation und meldet sich im September 1943 als Special Service Contact für das FBI. Obwohl dieses Programm nach dem Krieg ausläuft, setzt Hoover ihn 1950 wieder ein, und ab 1951 ordnet er sogar 4 Agenten als persönliche Hilfe Kennedys ab. Das FBI wird insgesamt 343 Akten über Kennedy-Fälle anlegen.
John F. Kennedy, dem sein Vater wegen seiner Rückenprobleme einen Büroplatz beim ONI in Washington organisierte, hat seit 1941 eine Affäre mit der Journalistin und ehemaligen Miss Dänemark Inga Arvad. Hoover lässt seit 1939 Material über JFK sammeln, interessiert sich laut DeLoach für die Fiche aber erst, als Kennedy Präsidentschaftskandidat wird. Die schöne "Inga-Binga" steht unter Spionageverdacht, weil sie mit Rudolf Hess befreundet ist, Himmler und Goebbels kennt, an Görings Hochzeit teilnahm und nach der Trauung den Führer interviewte, als sie während der Olympiade 1936 in Deutschland war. Hoover gab Informationen über das Verhältnis an Walter Winchell weiter, was dieser in seiner Kolumne publizierte. Um die Karriere seines Sohnes zu retten, organisierte Joe Kennedy dessen Versetzung nach Charleston in South Carolina. JFK traf sich jedoch weiter mit seiner Geliebten, beobachtet vom FBI, worauf Hoover den Vater telefonisch warnte. Inga Arvad erwartete ein Kind von JFK, aber sie heiratete 1942 sechs Monate vor der Geburt den Schauspieler Tim McCoy.
JFK wurde 1942 in den Krieg in den Südpazifik geschickt. In der Blackett-Meerenge wird das von JFK kommandierte Torpedoboot PT-109 durch Nachlässigkeit in eine Flottenaktion verwickelt, wobei ein japanischer Zerstörer das Boot entzweischneidet, der einzige Unfall dieser Art während des 2. Weltkrieges. JFK kann sich und seinen verwundeten ersten Maschinisten Patrick McMahon retten, indem er vier Stunden lang mit dem Verletzten auf dem Rücken zur nächsten Insel schwimmt. Bei der Rettungsaktion der übriggebliebenen Besatzung sind Leit Erickson von der Associated Press und Fran Hewlitt von der Universal Press dabei. Die Story erscheint am 20.8.43 auf der Titelseite der New York Times, und ein Artikel von John Hersey wird im New Yorker publiziert, womit JFK zum offiziellen Kriegshelden erkoren wird. Sein Vater überredet den Chefredaktor des Reader's Digest, Paul Palmer, die Story in gereinigter Fassung, ohne Erwähnung der Nachlässigkeit zu veröffentlichen. Diese Kriegsheldengeschichte wird später im Zusammenhang mit den Wahlkampagnen immer wieder nachgedruckt. Die Rettungsaktion schwächt JFK so stark, dass er mehrere Monate braucht, um sich zu erholen. JFK durchlebte alle möglichen Kinderkrankheiten und hatte keine Chance, neben seinem älteren Bruder zu bestehen, weshalb er sich darauf verlegte, den Clown zu spielen.
Joe Kennedy jr. ist sportlich und fleissig, überall beliebt, bewundert und das Lieblingskind der Eltern. Der Konkurrenzkampf der beiden ältesten Brüder bezieht sich meist auf sexuelle Eroberungen. Aber ein Jahr nach Johns Unfall kommt Joe jr, der als Ältester für die politische Karriere vorgesehen war, beim Versuch, seinen Bruder als Kriegsheld noch zu übertreffen, ums Leben. Er hat sich für eine gefährliche Mission als Pilot von fliegenden Bomben gemeldet und Störungen des Zündsystems nicht ernst genommen. Da sein Bomber mit 11 Tonnen TNT vollgestopft war, um die deutsche Flugabwehr ferngesteuert auszuschalten, setzt er sein Leben und das seines Kopiloten Wilford Willy leichtsinnig aufs Spiel. Auch die Schwester Kathleen kommt am 13.5.48 bei einem Flugzeugunfall ums Leben.
Quellen: Summers (1993): 195ff, Theoharis/Cox: 269-273, Posener: 54ff, Davis (1984), Wolfe: 153ff, Gregory/Speriglio: 240, Best: 18f, Collier/Horowitz: 140-164, Hersh:82-86
1944 Bretton Woods top
Auf Einladung Roosevelts treffen sich in Bretton Woods 44 allierte Staaten,
um über ein internationales Währungssystem zu beraten. Das abgewirtschaftete
Grossbritannien wehrt sich vergeblich gegen die Herrschaftsansprüche der
USA. Mit dem Internationalen Währungsfonds und der Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung (Weltbank) werden zwei Institutionen geschaffen, über die
die USA ihre finanzpolitischen Interessen global durchsetzen können. Aufgrund
des Quotenprinzips und einem festgelegten Mehrheitsprinzip von 85% kann kein
Entscheid des IWF gegen die USA gefällt werden. Die Stimmrechte betragen
1981 20% für die USA, 25% für die neun Staaten der damaligen EG, 36%
für die 121 Entwicklungsländer und 4% für Japan.
Die Erhaltung der Währungskonvertibilität über Kredite und Stützungsaktionen
ist die zentrale und illusionäre Aufgabe der IWF, wofür ein System
der festen Wechselkurse definiert wird. Der ursprüngliche Zweck, nicht
nur einen freien, sondern dank dem Abbau der Zollschranken, der Stabiliserung
der Rohstoffpreise und dem Transfer von Wissen und Technologie in die Dritte
Welt auch einen fairen Handel zu ermöglichen, wird bald verdrängt.
Mit seinen harten Kreditbedingungen (Abbau der Sozialleistungen, Steuererhöhungen,
Einführung von Verbrauchssteuern, Reallohnsenkungen durch Lohnfixierung,
Kürzungen oder Streichungen der Subventionen, die zur Verschärfung
der sozialen Differenzen führen) werden die Entwicklungsländer ausgebeutet
und in Abhängigkeit gehalten. Da sich die Privatbanken bei ihrer Kreditvergabe
von den Entscheidungen des IWF lenken lassen, haben die Entwicklungsländer
keine anderen Finanzquellen.
Die USA nutzen diese Möglichkeit, um ihre politischen Interessen durchzusetzen.
Mit der endgültigen Verdrängung des Pfund Sterlings durch den Dollar
als internationales Zahlungsmittel und Reservewährung, wozu die USA seit
1934 einen Goldstandard von $35 pro Unze Feingold garantieren, setzen sich die
USA an den Geldhahn. Die USA kaufen von 1934 bis 1945 im Wert von $16 Mia. systematisch
Gold auf, davon für $753 Mio. aus Deutschland, Italien und Japan. Nach
der Besetzung von Frankreich, Belgien und Holland versuchten die Briten vergeblich,
die Amerikaner von Goldkauf aus Deutschland abzuhalten. Auch nach dem Einmarsch
bemächtigen sich die USA des Raubgoldes, beispielsweise das Gold in der
Merkers-Salzmine im Wert von RM 400 Mio. In Deutschland ziehen die USA $343
Mia. an Geld, Gold und Wertpapieren ein.
Die USA können damit als einziges Land der kapitalistischen Welt ihre internationalen
Zahlungsverpflichtungen selbst produzieren. Bedingt durch das Fehlen internationaler
Kontrollinstanzen können die USA so viele Dollars drucken, wie sie brauchen.
Die skrupellose Ausnützung dieses Privilegs, vor allem zur Finanzierung
des Vietnamkriegs, führt dazu, dass das Vertrauen in den Dollar nach zwei
Jahrzehnten abnimmt und die Goldreserven der USA von $24,4 Mia. auf $11,1 Mia.
1970 schrumpfen.
Quellen: Kolloch: 32-60,111-124,146-149, Schweitzer: 6f.
1945 Saudisches Öl, UNO und Truman top
Franklin D. Roosevelt trifft sich zwei Monate vor seinem Tod mit dem arabischen
König Abdel-Aziz Ibn Saud an Bord der USS Murphy und sichert mittels Darlehen
die amerikanische Vorherrschaft über das arabische Öl. Der Krieg zehrte
in bedrohlichem Ausmass an den amerikanischen Ölvorräten, weshalb
Washington 1943 Geologen auf die arabische Halbinsel entsandte, um nach Öl
zu suchen. Was sie entdeckten, stellte alles in den Schatten, was man bisher
kannte. Die grossen Ölfelder im Irak und Iran hatten sich Grossbritannien
und Frankreich bereits im Abkommen von San Remo 1920 unter den Nagel gerissen.
1928 mussten die Briten und Franzosen bereits US-Firmen in die Iraq Petroleum
aufnehmen, ohne die Kontrolle zu verlieren, aber 1948 können sich die Amerikaner
durchsetzen und mit König Saud und dem Schah von Persien exklusive Schürfrechte
vereinbaren.
Die arabischen Reserven werden 1945 auf 100 Mia. Barrel geschätzt (heute
auf 262 Mia., was einem Viertel aller Vorkommen entspricht). Seit diesem Fund
ist die Sicherung der Ölressourcen eines der wichtigsten Ziele der US-Aussenpolitik,
das mit geheimen Umsturzkomplotten, wirtschaftlichem, diplomatischem und finanziellem
Druck und blutigen Kriegen durchgesetzt wird.
In der Oper von San Francisco beschliessen Vertreter von 51 Länder im April 1945 die Gründung der UNO nach den Prinzipien der Gleichheit der Nationen, damit diese in Frieden und guter Nachbarschaftlichkeit zusammenleben. Roosevelt hatte darauf insistiert, dass die Konferenz in den USA stattfindet, um die Delegierten besser ausspionieren zu können. Sämtliche Telegramme zu den jeweiligen Regierungen werden abgefangen und dekodiert. Die Überwachung erlaubt den USA beispielsweise, die Teilung Palästinas 1948 durchzusetzen, indem Liberia, Haïti und die Philippinen am Vorabend des Entscheids gezwungen werden, die Position zu wechseln. 800'000 Palästinenser werden vertrieben.
Die US-Armee führt die antisemitische Politik in den Konzentrationslagern weiter und misshandelt die jüdischen Überlebenden: "Es sieht so aus, als ob wir die Juden so behandeln wie die Nazis, nur dass wir sie nicht umbringen", stellt Kommissär Earl Harrison in seinem Bericht fest. Die USA beschlagnahmen nicht nur Gelder aus Konten der jüdischen Opfer, sondern auch Grundstücke in den USA, Patente, Copyrights und Kunstwerke im Wert von $5 Mia, die die SS den Holocaust-Opfern gestohlen hatte. Schon zu Beginn des Jahres 1943 erhielten die Amerikaner Berichte, dass in Deutschland über 6000 Juden pro Tag umgebracht würden. Roosevelt und die amerikanischen Behörden verhinderten aktiv die Verbreitung des Genozids.
Harry S. Truman wird am 14.4.45 Nachfolger Roosevelts. Der Protégé
von Tom Pendergast, der ihn 1934 in den Senat schickte, wird von der Mafia finanziert.
Pendergast hatte seine Herrschaft in Kansas City mit der Kooperation mit der
lokalen Mafia zementiert, und Roosevelt und Truman wurden auch von der Mafia
Chicagos unterstützt. Auch Howard Hughes begab sich 1944 persönlich
ins Biltmore Hotel in Los Angeles, um Truman einen Umschlag mit Geld zu überreichen.
Roosevelt bezog seinen Vizepräsidenten in keiner Weise in die Politik mit
ein, nicht einmal nach Jalta suchte er das Gespräch. Mit Truman und seinem
neuen Aussenminister James F. Byrnes beginnt der Kalte Krieg.
Die Amerikaner brauchen die Russen nach dem Zusammenbruch des Krieges in Europa
nicht mehr als Verbündete gegen Deutschland. Truman erklärte im Juli
1941:"Wenn wir sehen, dass Deutschland den Krieg gewinnt, sollten wir Russland
helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen und die Deutschen
auf diese Weise so viele wie möglich umbringen lassen..."
Quellen: Horowitz: 52ff, Giancana: 253f, Summers (2000): 151, Schulz: 55, 70, Best: 26, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:15-20:19, Karel (1), von Dohnanyi (2001d), Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig, Brändle.
Die USA setzten erstmals das 1942 an der Harvard erfundene Napalm (33% Benzin,
21% Benzol und 46% Polystyren) als Brandbomben gegen japanische Städte
ein. Um der Sowjetunion auf dem japanischen Kriegsschauplatz zuvorzukommen,
setzen Truman und Byrnes die Atombombe ein, die ihnen das strategische Monopol
verschafft. Die Atombomben in Hiroshima und Nagasaki sind mehr als nur "ein
Experiment mit überragendem Erfolg", wie Truman am 7.8.45 nach der
ersten Bombe mit 80-100'000 Toten frohlockt. 1944 wiesen Spezialagenten mit
der Operation ALSOS zweifelsfrei nach, dass Deutschland keine Atomwaffen baute,
obwohl Hahn 1938 die Spaltung von Uran gelang und Heisenberg an der Weiterentwicklung
arbeitete. Im Frühling 1945 transportierte die deutsche U-234 neben dem
ersten, zerlegten Düsenjäger rund 65 Kg Uranoxid nach Japan, ergab
sich dann aber bei Kriegsende mit Deutschland den Amerikanern. Das deutsche
Uran wurde ironischerweise für die amerikanische Bombe verwendet und explodiert
in Japan. Japan hatte bereits mehrfach seine Kapitulation angeboten, als die
Atombomben eingesetzt werden. Aber es geht nicht nur darum, die beiden Bombentypen
Uran 235 in Hiroshima und die doppelt so starke Plutonium 239 in Nagasaki (vorgesehen
war Kokura (Kitakyushu), das aber unter einer dicken Wolkendecke lag) in einem
Realexperiment zu testen. Die Atombomben, deren Entwicklung $2 Mia. kostete,
sichern den Vorsprung über die durch den Krieg völlig zerstörte
Sowjetunion. Zudem halten die USA nun mit Deutschland die stärkste europäische
Macht und mit Japan das stärkste Land in Asien besetzt. General Douglas
MacArthur erklärt den Südwesten Japans zum Sperrgebiet und lässt
alle Berichte (etwa von George Weller, dem ersten Journalisten vor Ort) über
die verheerende Wirkung der Atombomben zensieren. Da die Bombe am 9. August
aufgrund des Nebels nicht über dem Zentrum Nagasakis abgeworfen wurde,
starben nur' 36'000 Menschen sofort. Die Ärzte in Japan müssen
machtlos zuschauen, wie die Opfer wegsterben.
1947 gründen die amerikanischen Besatzer die Atomic Bomb Casualty Commission,
die die Auswirkungen der Strahlung auf die 290'000 Überlebenden in Hiroshima
untersucht, von denen die meisten an Leukämie, Krebs, Blutkrankheiten und
Immunschwächen leiden und früh sterben. Die Resultate werden manipuliert,
v.a. auch in Bezug auf die zweite Generation, um die Entschädigung für
die Bombenopfer klein zu halten. Den 300'000-500'000 Kindern der Überlebenden
werden nicht einmal die Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung bezahlt.
Erleichtert wird die Verheimlichung der massiven Spätfolgen durch die Schamhaftigkeit
der Japaner. 1975 wird die ABCC in Radiation Effects Research Foundation umbenannt,
aber bis heute kommen die Gelder vom Wohlfahrtsministerium in Tokyo und vom
Energieministerium in Washington, das für die amerikanische Nuklearindustrie
verantwortlich ist.
Auch in Japan benutzen Armee und Geheimdienst das Organisierte Verbrechen,
um die Linke zu bekämpfen. Major-General Charles Willoughby engagiert die
drogenhandelnden Yakuza-Gangs, um Streiks zu brechen und Demonstrationen zu
verhindern. Willoughby wurde als Adolph Charles Weidenbach in Heidelberg geboren,
diente als Militärattaché in Ecuador, bekam von Mussolini den Saints
Maurizio und Lazzaro-Orden, unterstützte Generalissimo Franco, wurde Generalsekretär
der Falange und MacArthurs Geheimdienstchef im Pazifik.
Douglas MacArthur, der die protestierenden Veteranen des 1. Weltkrieg vor dem
Kapitol erschiessen liess, hatte sein Quartier vor dem Krieg auf den Philippinen,
wo die Spanier noch immer die Wirtschaft dominieren. Einer seiner Offiziere
im Krieg war der Faschist Andres Soriano, ein Fluglinien-, Minen- und Brauereibesitzer,
der zu den Hauptsponsoren Francos zählte. 1952 lobbyiert Willoughby beim
Kongress für eine Finanzhilfe über $100 Mio. für Francisco Franco.
Der spanische General gewann 1939 dank der militärischen Unterstützung
Nazi-Deutschlands und des faschistischen Italiens den dreijährigen Bürgerkrieg'
und liess danach mindestens 150'000 Anarchisten, Kommunisten und Republikaner
hinrichten (insgesamt kamen im Spanischen Bürgerkrieg 600'000 Menschen
um).
Willoughby übt harte Zensur in Japan und diffamiert kritische Korrespondenten
als Kommunisten, eine Taktik, die McCarthy übernimmt. 1947 wird eine Propagandawelle
gegen die Kommunisten gestartet und die Gewerkschaften und Streiks verboten.
Willoughby schützt japanische Kriegsverbrecher und gewährt den Forschern,
die bei Menschenversuchen mit biologischen Waffen 3000 Kriegsgefangene umbrachten,
Immunität gegen die Herausgabe der Materialien und Berichte. Zwischen 1936
und 1945 experimentierte die Einheit 731 der japanischen Armee unter General
Shiro Ishii mit bakteriologischen Kampfstoffen und Vivisektionen. Da Erreger
wie Pest und Anthrax beispielsweise über Flugzeuge freigesetzt werden,
kommen um 250'000 Chinesen ums Leben. In der Region von Nankin wurden zu Versuchszwecken
mit Brunnenvergiftungen Epidemien ausgelöst. Nankin erlebte bereits bei
der Eroberung 1937 ein unglaubliches Massaker, bei dem zwischen 150'000 und
300'000 Zivilisten abgeschlachtet wurden und die Stadt abbrannte. Die Japaner
schleppten 200'000 Frauen, vor allem aus Korea, in die Bordelle der japanischen
Militärs. Aber nicht nur die eigenen, sondern auch die japanischen Kriegsverbrechen
werden von den Amerikanern tabuisiert.
Nachdem Truman im Juli 1945 noch erklärte, die USA verzichteten auf Gebietsannektierungen, beugt er sich kurz darauf den Protesten der Heeres- und Marineführungen, die die eroberten strategischen Stützpunkte als ihr ausschliessliches Eigentum betrachten. Bis 1949 erheben die USA Anspruch auf über 400 Flotten- und Luftstützpunkte in der ganzen Welt, 91 davon in Japan. John Foster Dulles gibt den Demokratisierungsplan auf und zwingt 1949 den Japanern den Friedensvertrag auf, der die Zahlung von 9% des japanischen Budgets an die "Schutzmacht" beinhaltet, was im Jahre 2000 einer Summe von $500 Mia. entspricht. Dafür erhält Japan zusammen mit Südkorea einen erleichterten Zugang zur US-Wirtschaft, was eine beispielslose Hochkonjunktur ermöglicht. Die Macht wird für über 60 Jahre in der Liberalen Demokratischen Partei konzentriert und von den USA geschützt.
Die USA schliessen einen Deal mit Ryoichi Sasakawa und seinem Angestellten Yoshioi Kodama, die beide im Auftrag der japanischen Armee in Shanghai Lagerstätten für geraubtes Gold, andere Edelmetalle und Diamanten anlegten und nach bis zum Kriegsende nach Japan schafften. Nachdem Mao an die Macht kommt, ist definitv klar, dass China die geraubten Schätze nicht mehr erhalten wird, sondern Sasakawa und Kodama, die beide zur Yakuza-Mafia gehören, finanzieren damit im wesentlichen antikommunistische Gruppen, die etwa den Führer der Sozialisten umbringen. Sasakawa erhält als einzige Privatperson eine Lizenz für Rennschiffwetten, womit er zu einem der reichsten Japaner wird. Aber nicht die ganze japanischen Raubbeute fliesst den faschistischen Gruppen oder den schwarzen Kassen der CIA zu, denn auch der philippinische Diktator Marcos lässt Bestände davon umschmelzen, und John Singlaub sucht in den 80er Jahren auf den Philippinen nach japanischem Raubgold, um damit die Contras in Nicaragua zu finanzieren.
Quellen: von Dohnanyi (2001d), Pons (2001), Hager, Johnson, Portenier/McNaught, Gehrig, Brändle, Horowitz: 52ff, Simpson, Pilger: 46ff, Schweitzer: 6f, Bradley, Ascherson 1, Chotjewitz:15-20, Karel, Bork, Weller, Koch (2008).
1946 John F. Kennedys Einstieg in die Politik top
Joe Kennedy hatte nach dem Tod seines ältesten Sohn lange Zeit sehr gelitten,
und John F. Kennedy fühlt sich verpflichtet, die Enttäuschung seines
Vaters wettzumachen, obwohl er nicht über die Disposition und Kompetenzen
seines Bruders verfügt und er eigentlich lieber Schriftsteller oder Journalist
werden würde. Aber JFK wird genau die Anweisungen seines Vaters befolgen,
und auf ihm lasten die ganzen Hoffnungen und Ambitionen auf das Präsidentenamt,
das sein Vater nicht erreicht hatte. JFK lernt, ein Doppelleben zu führen:
nach aussen der charmante und sportliche Politiker versteckt er perfekt seine
gesundheitlichen Probleme und seine in der Öffentlichkeit nicht akzeptierten
Neigungen.
Da Joe Kennedy befürchtet, der Schnapshandel könne dem Image und damit der Karriere seiner Söhne schaden, verkauft er Somerset Importers an Longy Zwillman und Joe Reinfeld und die 17%-Beteiligung des Hialeah-Tracks für $8 Mio. und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Trotzdem bleibt er Stammgast in Costellos Colonial Inn in Miami Beach. 1945 hat Kennedy das höchste Gebäude der Welt, das Merchandise Mart in Chicago, gekauft, an dessen Speakeasies er während der Prohibition beteiligt war. Zudem unternimmt er einen Versuch, das Suffolk Downs Race Track zu einem Bruchteil seines Wertes zu übernehmen, was ihm trotz Drohungen, Schmierzahlungen und Justizkorruption nicht gelingt. In New York ist Joe Kennedy ist zusammen mit John J. Reynolds in den Immobilienhandel eingestiegen, sein vierter Sektor nach den Spirituosen, Filmen und Wertpapieren. An den Liegenschaften verdient Kennedy zwischen 1942 und 1960 weit über $100 Mio, muss sich aber dafür vielen Klagen wegen Ausbeutung stellen.
Die Kennedys und die Fitzgeralds unterstützen die Wahl des ihnen verhassten James Michael Curley zum Bürgermeister von Boston, weil damit dessen Sitz im Repräsentantenhaus für den 11.Bezirk frei wird. Curley gewinnt, und JFK kandidiert für den Platz. Um sich die Wahl zu sichern, schmieren die Kennedys den schärfsten Gegner, Joseph Russo, damit sein Name zweimal auf der Kandidatenliste erscheint und somit seine Wähler irritiert werden. Dank der Unterstützung seines Verwandten Joseph L. Kane (der seit 40 Jahren in den Hinterzimmern von Boston operiert und weiss, wem man wieviel zahlen muss), des alten Fitzgerald (der JFK den Senioren näherbringt) und der Verteilung von 100'000 Kriegsheldenbroschüren wird JFK in den Kongress gewählt, obwohl seine sehr vagen politischen Ansichten in der Presse scharf kritisiert werden. Erfolgreich waren auch die persönlichen Einladungen von Wählerinnen zu einem Hotelempfang kurz vor der Wahl. Gutes Aussehen, eine loyale, effiziente Organisation und harte Wahlkampagne und vor allem das Geld des Vaters bringen JFK nach Washington.
Die Kongressarbeit überlässt JFK weitgehend seinem Assistenten Ted
Reardon und profiliert sich, wenn er nicht zu sehr an seinen Krankheiten leidet,
als Playboy. JFK verheimlicht seine Gesundheitsprobleme aus Scham, weil sie
für ihn Zeichen einer Verweiblichung und Verweichlichung darstellen, für
die er sich ablehnt. Die Eroberung von Frauen erlaubt ihm, seine körperliche
Insuffizienz zu ertragen. Bereits als 17jähriger zog er sich einen chronischen
Dickdarmkatarrh zu, möglicherweise als Folge von Stress im Elternhaus.
Die schmerzhaften Behandlungen schlagen alle fehl. Aufgrund eines verkürzten
Beins und verschiedener Sportunfälle im College hat JFK immer wieder akute
Rückenschmerzen, die durch seinen Militäreinsatz noch verschärft
wurden. Zwei Operationen 1944 und 1954 bleiben erfolglos. JFK leidet zudem an
einer schweren Form der Addison-Krankheit, die aber erst 1947 diagnostiziert
wird. Nach der Entdeckung des Cortisons 1937 verbesserte sich sein Zustand,
aber da er, unfreiwillig als Versuchskaninchen dienend, zuviel Cortison bekommt,
schwächt dies sein Knochenbau. Viermal war er dem Tode so nahe, dass ihm
die letzte Ölung verabreicht wurde.
Die Erfahrung der Todesnähe lässt ihn hedonistisch werden: "Lebe
jeden Tag so, als ob es dein letzter Tag auf Erden wäre!" Das bedeutet,
möglichst viel zu erleben, vor allem mit Frauen. Schon sein Vater hatte
das Ziel, "möglichst viele Frauen flachzulegen". Jacks promiskutives
Sexualverhalten basiert auch auf seiner Angst vor Homosexualität, die sich
in der zwanghaften Eroberung eines blossen Sexualobjekts negieren lässt.
"Mit einer Frau bin ich erst dann fertig, wenn ich sie auf drei Arten gehabt
habe", meint er als Präsident. JFK leidet während über 20
Jahren, da er sich trotz starker Antibiotika immer wieder neu infisziert, an
der erst Ende der 60er Jahre formell diagnostizierten Geschlechtskrankheit Gonorrhoe.
Die chronischen Harnweg- und Prostata-Entzündungen führen zu einer
graviernden Nebennierenerkrankung, was sich in Fieberschüben, Abszessen,
Durchfall, Schlaflosigkeit und Angstzuständen äussert.
JFK heiratet Anfang 1947 Durie Malcolm bei einem Friedensrichter, weil sie sonst
nicht mit ihm schläft. Malcolms zweite Scheidung wurde im Januar 1947 vollzogen.
Als Joe von der Heirat erfährt, verbietet er seinem Sohn diese Beziehung
und ordnet an, die Heirat rückgängig zu machen. Sein Freund Charles
Spalding entfernt im Gerichtsgebäude von Palm Beach mithilfe eines befreundeten
Anwalts alle Heiratsdokumente. Geschieden wird die Ehe nie. Am 11.7.47 heiratet
Durie Malcolm Thomas Shevlin.
Quellen: Hersh: 2,5,13ff,41ff, 326-340, Posener: 56f,69-74, Summers (1993): 292, Best: 19, Collier/ Horowitz: 167-214, Niederberger (2002e).
1946 Reorganisation der Mafia top
Lucky Luciano wurde, nachdem der Staatsanwalt Thomas Dewey $90'000 erhielt,
mit über 100 anderen Mafiosi wegen nationaler Verdienste aus der Haft entlassen
und am 9.2.46 als italienischer Staatsbürger in seinen Geburtsort nach
Sizilien deportiert. Danach nimmt Luciano die unterbrochenen Kontakte wieder
auf und organisiert den Heroin-Schmuggel von neuem: Im Libanon lässt Sami
El Khoury türkisches und persisches Opium aufkaufen und in einem Vorort
von Beirut zu Morphin verarbeiten. Dieses wird in Palermo, wo im Winter 1946/47
drei Labors in die Luft fliegen, und im Pharmakonzern Schiaparelli in Mailand
raffiniert. Über Kanada oder Kuba kommt der Stoff in die USA, wobei die
Verteilnetze an der von Luciano im Oktober 1946 einberufenen Mafiakonferenz
festgelegt werden. Diskussionsthemen sind neben der Organisation des Drogenhandels
die Aufteilung der Spielcasinos auf Kuba, Anastasias Geldgier und der Fall Bugsy
Siegel.
Anwesend im Hotel Nacional in Havanna sind die Bosse und Unterbosse von 16 Mafia-Familien,
darunter Vito Genovese, Joe Adonis, Albert Anastasia, Frank Costello, Tommy
Lucchese, Joe Bonanno, Willie Moretti, Joe Profaci, Tony Accardo, Sam Giancana
und Santos Trafficante. Zudem werden 18 Gewerkschaftsbosse und über 100
Anwälte vom FBN registriert. Meyer Lansky ist als nichtstimmberechtigter
Verbündeter ebenfalls anwesend.
Rocco Fischetti, einer der Neffen Al Capones, reist mit Frank Sinatra an und
überbringt Luciano $2 Mio. in bar aus dessen Geschäftsbeteiligungen.
Sinatra, der auch geschäftliche Beziehungen mit den Fischettis unterhält,
behauptet später, er hätte nie etwas mit der Mafia zu tun gehabt,
obschon die italienische Polizei bei Luciano ein goldenes Zigarettenetui mit
der Aufschrift findet: "Für meinen Kollegen Lucky, von seinem Freund
Frank Sinatra." Als Lucianos Präsenz auf Kuba in den US-Medien publiziert
wird, erreichen das Federal Bureau of Narcotics und das State Departement, dass
Lucianos Dauervisum gestrichen wird. Obwohl Batista 1944 offiziell zurücktreten
musste, ist er immer noch der faktische Machthaber der Insel und wird auch in
seinem Exil in Miami geschmiert.
Zusammen mit Luciano wurde auch Francesco Paolo Coppola aus Detroit nach Italien ausgeschafft. Dreifinger-Franco hatte sich bei einem Banküberfall zwei im Tresor eingeklemmte Finger abgeschnitten, um der Polizei zu entgehen. Coppola und Nicola Gentile, der FBN und FBI-Informant war, beliefern die US-Army in Sizilien mit Drogen, die als "Medikamente" deklariert werden. Von 1946 an verschifft Coppola Heroin nach Detroit, von wo es mithilfe der Teamsters (Local 985 unter John Priziola und Raffaele Quasarano) auch nach New York transportiert wird. Am Handel beteiligt ist der Mafiaboss Luciano Liggio, dem Coppola später zur Flucht verhilft, und Lucky Luciano. Coppola steht hinter dem Massaker vom 1. Mai 1947 in Sizilien, bei dem 8 Personen getötet und 33 verwundet werden. 1948 werden auf der Insel 498 Personen, fast alles Linke, ermordet.
Im April 1947 reist Lucky Luciano nach Palermo, wo angeblich kurz darauf 47
Leute ermordet werden, da er sich Reklamationen wegen schlechten und ungenügenden
Lieferungen aus Sizilien habe anhören müssen. Der zuständige
CIA-Agent für Luciano in Italien ist Mario Brod, der 1960-61 an den gemeinsamen
Castro-Mordprojekten von CIA und Mafia beteiligt ist.
Luciano beteiligt sich, wie Genovese, am Schwarzmarkt in Neapel. Luciano und
Vito Genovese stellen 1947 Anträge zur Aufnahme in die Christdemokratische
Partei Italiens. Aber nur Genovese wird Mitglied der Partei, dank den geschickten
Verhandlungen des CIA-Agenten Henry Tasca. Seit den mit $50 bis 60 Mio. geschmierten
Wahlen von 1946 verfügt die DC unter Alcide De Gasperi über die absolute
Mehrheit.
Als Luciano in Sizilien grosse Zuhälterringe wie in den USA aufbauen will,
sind die lokalen Mafiosi entsetzt, denken sie doch vor allem an ihre unberührten
und für die Ehe bestimmten Töchter. Luciano muss Don Calogero Vizzini
versprechen, dass die Prostituierten ohne Ausnahme Ausländerinnen sein
werden.
Bugsy Siegel übernimmt die Trans-American, ein konkurrierendes Kabelnetz,
das gegründet wurde, um Ragen unter Druck zu setzen. Siegels Weigerung,
die beiden Netze zusammenzulegen und seine Hinterziehungen beim Flamingo führen
zu seiner Ermordung am 20.6.47. Siegel hatte mit dem Bau des Flamingo in Las
Vegas einen Boom ausgelöst. Nevada, besonders hart von der Depression getroffen,
beschloss 1931, das Glücksspiel zu legalisieren, weshalb es bereits Luxushotels
und einige Spielkasinos, vor allem in Reno, gab, die ordentlich Umsatz machten.
Doch Siegels Flamingo in Las Vegas soll alles übertreffen. Anfangs mit
Baukosten von $1,5 Mio. veranschlagt, fand Meyer Lansky Gefallen und steuerte
Geld bei. Der Bau begann im Dezember 1945, verteuerte sich aber auf $6,5 Mio,
worauf ihm Lansky den Geldhahn zudrehte. Um zu Geld zu kommen, verschuldet Siegel
sich überall. Am 26.12.46 fällt die Eröffnung des Flamingos ins
Wasser, da die Flugzeuge wegen dem starken Regen nicht fliegen können.
Bugsy möbelt das Casino noch weiter auf und öffnet es im März
1947 erneut, wobei die Spieler Gewinne und das Flamingo Verluste einfahren.
Erst im Mai wendet sich das Blatt: Siegel macht $300'000 Reingewinn, und die
anderen Gangster schmieden ebenfalls Baupläne.
Dann kommt heraus, dass Siegels Geliebte Virginia Hill dank ihrer Bankvollmacht
$2 Mio. aus dem Flamingo-Baufond abzweigte und auf einem Schweizer Nummernkonto
deponierte. Virginia begann ihre Karriere mit einem Buchmacher der Capone Gang
und hatte Beziehungen mit den Fischetti Brüdern, Anthony Accardo, Frank
Nitti, Carlos Marcello und Joe Adonis, bevor Bugsy sie heimlich heiratete. Als
das Gerücht kursiert, Siegel wolle sich wegen seinen Schulden mit seiner
Geliebten und einer halben Million nach Europa absetzen, ordnet Luciano seine
Ermordung an. Nur 20 Minuten nach dem Mord übernehmen die drei Juden Moïse
"Little Moey" Sedway, Morris Rosen und Gustav "Gus" Greenbaum,
letzterer ein Veteran Capones, das einträgliche Flamingo. Meyer Lansky
wird von 1960-67 allein aus dem Flamingo $36 Mio. abziehen.
Las Vegas wird wie Miami als frei Zone definiert. Obwohl Meyer Lanksy eine Schlüsselrolle
in der Etablierung von Las Vegas spielt, ist er von den Italienern abhängig,
wie auch Doc Stacher oder Moe Dalitz, der von Cleveland nach Las Vegas zieht,
1950 das Desert Inn, das Sands und das Fremont baut und neben Johnny Roselli
eine der Hauptrollen dort spielt. Siegels Ermordung führt zu einem kurzen
Krieg zwischen Siegels Leutnant Mickey Cohen und John Roselli, wobei der neugewählte
Polizeichef William Parker Roselli hilft, Cohen gefügig zu machen. 1948
baut Lansky das Thunderbird. 1952 entsteht eine Reihe von italienischen Casinos
wie das Sahara (Mafia von Oregon), das Dunes (Raymond Patriarca von Rhode Island,
der mit Carlos Marcello zusammenarbeitet) oder das Tropicana (Lansky, Costello
und Kastel). Die Mafia von Chicago ist beteiligt am Riviera, dem Stardust, dem
Landmark, dem Four Queens, dem Aladdin, dem Circus Circus und dem Caesar's Palace.
Die von der Mafia kontrollierte Lastwagengewerkschaft Teamster hat Geld im Dunes
investiert und leiht Hank Greenspun, dem Herausgeber der Las Vegas Sun, $250'000
für den Bau eines Golfplatzes. Nevada ist der einzige Staat bis 1976, als
New Jersey (Atlantic City) dazukommt, in dem Geldspiele und Prostitution legal
sind. In den 60er Jahre wird Howard Hughes ein Casino nach dem anderen in Las
Vegas aufkaufen.
Die Mafia von Chicago weitet das Spielgeschäft auf Iowa, Kansas, Indiana,
Michigan und Dallas aus. Um in Dallas einzusteigen, schickt Boss Tony Accardo
Pat Manno, Paul Jones und Jack Nappi zum Sheriff von Dallas, Steve Guthrie.
Sie offerieren ihm und Leutnant George Butler ein Jahreseinkommen von $150'000
und versprechen, keine Drogen, sondern nur das Glücksspiel in die Stadt
zu bringen. Aber Guthrie nimmt die Gespräche auf Band auf, und die drei
werden der Korruption angeklagt.
Paul Roland Jones wurde 1940 von Gouverneur Ratner begnadigt, nachdem er 1931
wegen Zeugenermordung zu lebenslänglich verurteilt wurde. Er startete 1942
Spielgeschäfte in Dallas im Namen der Fischetti-Brüder, eröffnete
ein Casino in Mexico City und organisierte politische "Arrangements"
mit mexikanischen Politikern. Vertreter des nach dem Krieg vermutlich bedeutendsten
Drogensyndikates in Mexico sind Harold "Happy" Meltzer und John Ormento.
Der Gründer des Dirección Federal de Seguridad, Captain Rafael Chavarri,
arbeitet mit dem Drogenhändler Jorge Moreno Chauvet zusammen, der Drogen
von der Luciano-Organisation in Europa bezieht.
Mit Jones sowie John und Maurice Melton steigt Jack Ruby in den Heroinhandel
ein. Am 27.8.47 wird einer von Jones Männern mit 24 Kilogramm Opium an
der Grenze verhaftet, und Jones sitzt bis 1952 im Gefängnis. Im Gerichtsverfahren
wegen Drogenhandels gegen Paul Roland Jones und Maurice Melton muss Ruby zwar
aussagen, wird aber nicht angeklagt, weil er wahrscheinlich ein FBN-Informant
ist. Auch im Bestechungsprozess wird Ruby von George Butler geschützt.
Ruby wurde 1911 als Jacob Rubenstein in Chicago als Sohn polnischer Juden geboren,
wo er schon als 11jähriger die Schule verliess und sich der Jugendgang
von Dave "Yiddles" Miller anschloss. Wegen seiner Aggressivität
war er bald als "Sparky" bekannt, und 1926 begann er, Aufträge
für Frank Nitti, Jake Arvey und Al Capone zu erledigen. Seit Mitte der
20er Jahre akzeptierte das Syndikat Juden in seinen Reihen, beeinflusst von
der Zusammenarbeit von Luciano mit Lansky. 1934 zog Rubenstein mit seiner Schwester
Eva nach San Francisco, um für Frankie Goldstein, Eugene Shriber und "Bones"
Remer in Spielhöllen und auf dem Pferderenntrack von Santa Anita, welches
der Gouverneur über Artie Samish dank den Zuwendungen Rosellis legalisierte,
zu arbeiten.
John Roselli war Annenbergs Vertreter in Los Angeles, wo er mit Jack Dragna
die Macht in der Unterwelt übernahm. Chicago stieg durch Jake Guzik und
Paul Roland Jones in den Sportinformationsdienst ein. Moe Annenberg hatte die
Continental Press in den 20er Jahren mit seinem Leutnant Jim Ragen aufgebaut
und bis 1940, als er wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis muss, geleitet.
Parallel zu den Informationen über Pferderennen liefen über sein Nationwide
News Service, bekannt als "the Trust", Resultate für die illegalen
Wetten. Drei von vier gewetteten Dollars wurden über die 15'000 illegalen
"Bookies" in 223 Städten in 39 Staaten abgewickelt, die die Resultate
unmittelbar nach den Rennen per Telephon und Telegraph zugestellt bekamen. Annenberg
besass faktisch das Monopol und verdiente bis $6 Mio. pro Jahr, von denen er
eine Schutz-Provision an Frank Nitti ablieferte.
Da Jim Ragen auf Rat des Journalisten Drew Pearson das FBI einschaltet, um sich
gegen die Übernahme des Sportdienstes durch die Mafia von Chicago zu wehren,
eliminieren Dave Yaras, Lenny Patrick und Willie Block mithilfe von Gussie Alex
und Strongy Ferraro den uneinsichtigen Nachfolger. Die bisherigen konkurrierenden
Bosse der Spielgeschäfte, Herbert Noble und Benny "Cowboy" Binion,
werden durch Chicago-Mobster abgelöst: Noble fliegt mit einer Bombe in
die Luft, worauf Binion es vorzieht, sich ins ruhigere Las Vegas abzusetzen.
Als neuer Chef des FBN von Chicago kümmert sich George White um die Aufklärung'
von Ragens Ermordung, wobei er sich mit dem FBN-Informanten Rubenstein trifft.
Der übernommene Pferderenn-Nachrichtendienst spielt eine Schlüsselrolle
für den Aufbau eines kriminellen Netzes in der Region. Der junge Konressabgeordnete
Richard Nixon schützt Rubenstein vor den 1947 einsetzenden Hearings, indem
er behauptet, dass Rubenstein für das House of Un-American Activities Committee
arbeite. Rubenstein kürzt danach seinen Namen und zieht nach Dallas, wo
sei Freund Yaras Spielautomaten stehen hat.
1939 kam Jack Ruby nach Chicago zurück, und Paul Dorfman organisierte
Ruby einen Job als Finanzsekretär in der Chicago Waste Handler's Union.
Am 8.12.39 erschoss der Gewerkschaftler John Martin in Rubys Präsenz den
Anwalt Leon Cooke, da dieser sich gegen den Einfluss der Mafia wehrte. John
Martin behauptete, er habe aus Notwehr gehandelt. Es ist gut möglich, dass
Ruby den widerspenstigen Cooke ermordete. Jedenfalls übernahm Paul Dorfman
die Gewerkschaftsleitung und arbeitet mit Anthony Accardo und ab 1949 mit Jimmy
Hoffa zusammen. Dorfmans Sohn Allen wird zusammen mit Robert "Barney"
Baker Hoffas engster Mitarbeiter. Mehrere Jahre später untersucht der Privatdetektiv
Bob Mullenix die Gewerkschaftsübernahme und die Finanztransaktionen von
Dorfman und Ruby. Er kommt 1962 bei einem Autounfall ums Leben.
Eva Rubenstein ist während Rubys Militärdienst 1943-46 bei der Air
Force nach Dallas gezogen und hat sich dort mit Paul Roland Jones angefreundet.
Nach der Verurteilung von Jones, Manno und Nappi ist Jack Ruby, der den Nachtklub
Silver Spur eröffnet, Verbindungsmann Chicagos in Dallas. Schon früh
steht Ruby auf gutem Fuss mit Richtern und Politikern in Dallas, die er schmiert.
Da es Chicago nicht gelingt, die Kontrolle der Stadt zu erlangen, fühlt
sich Ruby exiliert und im Stich gelassen. Bis 1952 verschafft sich Carlos Marcello
die Kontrolle der Unterwelt von Dallas, und Ruby arbeitet mit den Leuten aus
New Orleans zusammen: Russell Douglas Matthews, Ralph Paul, Joe und Sam Campisi,
Joe Civello, Jack Todd und Lewis McWillis, den Ruby bewundert.
An der Mafia-Konferenz vom 5.5.1947 im "Black Diamond" in New Orleans
macht sich Carlos Marcello zum Nachfolger des ausgewiesenen Sam "Silver
Dollar" Carolla. An der Sitzung dabei sind Frank Todaro, Joseph Capro,
Tom Rizzuto, Frank Lambardino, Nick Grifazzi, Anthony Carolla, Joseph Poretto,
Nofio Pecora und alle 7 Marcellos, die sich mit Drohungen gegen die Ansprüche
von Anthony Carolla als Nachfolger seines Vaters durchsetzen. Der neue Boss
von Louisiana macht "Willswood Tavern" auf seinem Landbesitz, in dessen
Sumpf zahlreiche Leichen verschwinden, zum Hauptquartier.
Marcello, der kaum lesen und schreiben kann, verdankt seinen Aufstieg Frank
Costello und seinen Fähigkeiten beim Schmieren und Geldeintreiben. Seit
der Eröffnung des Spielkasino "Beverly Country Club" in New Orleans
am 4.12.45, das Frank Costello, Meyer Lansky, Phil Kastel, A.G."Freddie"
Rickerfor und Carlos Marcello gehört, ist Marcello Teil des inneren Zirkels
der Mafia. Nach der Deportation Frank Coppolas wurde Marcello Manager des Kasinos.
Mit dem Bau einer Villa demonstriert der 38jährige, dass er es geschafft
hat. Er kontrolliert die Vollstreckungsbehörde und die politische Maschinerie
des Kreises Jefferson und wird trotz einiger grausamer Mordfälle nie angeklagt.
Marcello kümmert sich ebenfalls um den Aufbau eines Pferderenninformationsdienstes
in Louisiana nach dem Muster Annenbergs. 1948 gewinnt Marcello mit Joseph Poretto
die Kontrolle über den Southern News and Publishing Co, den grössten
Rennsport-Informationsdienst.
Quellen: Davis (1994): 71,118-121, Groden/Livingstone: 129f,295,413, Behr:
171-175, Scott (1993): 142,151-161,169,175,326,353, Chotjewitz: 15-20, Gregory/Speriglio:
210, Best :6,22,41, Tages-Anzeiger 28.4.1982, Konkret Nr.7/1973: 50, Raith:123,
Marrs: 269, Weberman (27): 1-13, Fox: 102, Griffith (1996): 6, Knorr (1992a):
45, Pease (1995), Anson: 230-238, Sylwester: 1-3, Davis (1988): 47-58, 527f.
Noch ehe der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, wurde durch den Einsatz britischer Truppen die soziale Revolution in Griechenland verhindert. Winston Churchill ging im August 1944 den einzigen englisch-deutschen Deal im Krieg ein, der den Deutschen den freien Abzug erlaubte, um seinen Freund König George II. wieder an die Macht zu bringen. Mit Stalin ging Churchill dafür den Deal Rumänien gegen ein monarchistisches Griechenland ein. Nach der Ausrufung des Generalstreiks metzeln die Engländer die ehemaligen Verbündeten nieder. Auch die USA unterstützen die Bekämpfung der Widerstandsorganisationen E.A.M, EDES und EKKA mit dem Ziel, die Monarchie wiedereinzuführen. Nach dem erzwungenen Waffenstillstand werden 100'000 Partisanen umgebracht und König Georg II kehrt zurück, worauf der Bürgerkrieg erneut ausbricht.
Bald darauf folgen andere geheime militärische Aktionen, auch gegen die
Sowjetunion. Die Partisanenbewegungen in den baltischen Ländern und der
Ukraine werden vom Oberkommando der US-Streitkräfte mit Geld, Waffen und
Ausrüstung unterstützt. Partisanen werden in den Westen geschleust,
für Funk und Sabotage ausgebildet und zurückgeschickt. Obwohl immer
wieder Kuriere, Saboteure und Leiter der Organisation der ukrainischen Nationalisten
verhaftet werden, gelingt es dem KGB erst Mitte der 60er Jahre, die Bewegung
zu zerschlagen.
In Ungarn beispielsweise wird die antikommunistische Partei der kleinen Landwirte,
die zunächst noch Regierungspartei und stärkste Kraft im Land ist,
unterstützt.
In Polen werden antirussische Partisanen unterstützt, die jüdische
Überlebende der Nazi-Vernichtungslager ermorden. Die "Bewegung für
Freiheit und Unabhängigkeit" (WIN) gilt bald einmal als die einzige
noch funktionierende Widerstandsgruppe, und die CIA schickt Waffen, Gold in
Millionenhöhe, Ausrüstung und Agenten. Erst als die Polen 1952 die
Aktion abbrechen, merkt die CIA, dass der polnische Geheimdienst die WIN seit
1947 kontrolliert und die CIA an der Nase herumgeführt hat.
Im Iran kommt die Aggressivität der USA zum ersten Mal offen zum Ausdruck.
Die drei Grossmächte besetzten den Iran, dessen Regierung mit den Nazis
kokettierte, um die kriegswichtigen Öllieferungen nach Russland sicherzustellen.
Nach dem Krieg sollten alle Mächte gleichzeitig abziehen, aber Russland
schürte im Norden einen Konflikt gegen die Zentralregierung, setzte dann
eine eigene "autonome" Regierung ein und liess sich die Ölverwertungsrechte
übertragen. Damit konnte Russland die beschädigten Ölfelder im
Kaukasus kompensieren. Unter dem Druck des Sicherheitsrates muss sich die Sowjetunion
allerdings dann aus dem Iran zurückziehen, und die Amerikaner ziehen ein,
mit Dollars, Zivil-und Militärberatern, um den Status Quo aufrechtzuerhalten.
FBI-Chef J. Edgar Hoover spielt das "rote Problem" hoch, was den Republikanern, die mit der Losung "Schlagt die Kommunisten" antreten, im November 1946 das erste Mal seit 28 Jahren die Mehrheit im Kongress verschafft. Der demokratische Präsident Harry Truman versucht deshalb, die Republikaner rechts zu überholen und forciert innen- wie aussenpolitisch den Kampf gegen den internationalen Kommunismus.
Als die Briten den USA am 24.2.47 mitteilten, dass sie ihr Kolonialimperium
nicht mehr halten können, den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten in
Griechenland und die Hilfslieferungen an die Türkei nicht mehr finanzieren
können, springt Truman in die Bresche springen und verkündet am 12.3.47
seine Doktrin, die eine Politik der Unnachgiebigkeit gegenüber der UdSSR
einleitet. Aber der Kongress zeigt sich bei $400 Mio.-Finanzhilfe für Griechenland
und die Türkei sperrig, weshalb zuerst die Bevölkerung mobilisiert
werden muss. Mithilfe einer grossangelegten Verschwörungs- und Verleumdungskampagne
beweisen Hoover, John Cronin von der National Catholic Welfare Conference und
Generalstaatsanwalt Tom Clark der bestürzten Öffentlichkeit, dass
die USA die kommunistische Weltverschwörung bereits im eigenen Land haben.
Am 22.3.47 verabschiedet Truman die Executive Order 9835, um die "Infiltration
der Regierung mit illoyalen Personen" aufzudecken. Innenpolitisch bedeutet
die folgende McCarthy-Phobie die Loyalitätsüberprüfung von 2,5
Mio. Regierungsbeamten, 3 Mio. Angehörigen der Streitkräfte und 3
Mio. Beschäftigten in der Rüstungsindustrie, die im Schatten der Akten
des FBI leben. 500 Menschen verlieren ihre Jobs wegen "zweifelhafter Loyalität."
Aussenpolitisch besteht die einzige Möglichkeit, diese Gefahr des sowjetischen
Kommunismus zu bannen, in der Unterstützung Europas. Im Sommer 1947 geben
die USA ihre Politik der kollektiven Bestrafung gegenüber den Deutschen
auf, die zu Hunger und Verelendung führte. Das Programm heisst Marshall-Plan,
kostet $15 Mia. und sichert die Vorherrschaft der USA. Für die Verteilung
der Gelder verantwortlich ist "Europa-Botschafter" Averell Harriman,
der bei allen strategischen Entscheidungen der anglo-amerikanischen Allianz
mitredet. Die Entnazifizierung, welche die führenden Köpfe sowieso
kaum zur Rechenschaft zog, wird damit aufgegeben.
In Griechenland siedeln amerikanische
Soldaten 1 Mio. Menschen um (ein Siebtel der Bevölkerung), um die Aufständischen
zu isolieren und den Widerstand gegen Monarchie und Kapitalismus in einem zweijährigen
Krieg zu brechen.
Verteidigungsminister James Forrestal widersetzt sich der eingeschlagenen Politik,
wird am 28.3.49 in einem Militärflugzeug nach Jupiter Island in Florida
gebracht, wo Bush, Payson, Dillon und Carpenter ihre Wohnsitze haben. Forrestal
wird von Robert Lovett und einem Militärpsychiater in die Mangel genommen.
Im Walter Reed Army Hospital in Washington erhält er eine Insulin-Schocktherapie
und wird am 22.5. in der Klinik tot aufgefunden, was noch vor der dann geheimgehaltenen
Untersuchung als Suizid interpretiert wird.
Natürlich hat der Marshall-Plan auch wirtschaftliche Motive: Die Produktion
ist nach dem Kriegsende um 30% gesunken, und es gibt bereits 8 Millionen arbeitslose
Amerikaner. Um den Export anzukurbeln, schlug Unterstaatssekretär Clayton
vor, Europa mit Krediten und Wirtschaftshilfe zu öffnen. Zuerst erhalten
England $3,75 Mia. und Frankreich $650 Mio. Kredite, und bereits im Frühjahr
1946 steigen die US-Exporte von $4 Mia. auf $15 Mia. Allerdings müssen
die Europäer für die Lieferung von amerikanischen Gütern "Gegenwertfonds"
bilden, die aus Steuergeldern finanziert werden. Diese Fonds benützt die
CIA für die politische Propaganda in Europa. Durch die Subventionen und
Kredite des Marshall-Planes werden die Wirtschaftsadern eines grossen Teils
der Welt an die USA angeschlossen und geöffnet. 75% des globalen Anlagekapitals
und 66% der Industriekapazität konzentrieren sich in den USA, der Rest
verteilt sich auf die anderen 95% der bewohnten Erdoberfläche.
Damit ergibt sich eine nicht zu unterschätzende politische Macht, da durch
das Abdrehen des Geld- oder Güterstroms jederzeit ein Land destabilisiert
werden kann. Deutschland, Italien und Japan werden redemokratisiert',
im Gegensatz zur 3. Welt, wo sich die USA fast ausnahmslos hinter die ärgsten
Diktatoren stellen.
Die Containment-Strategie verspricht doppelt vorteilhaft zu sein, indem sie
den Westen stärkt und die kriegszerstörte Sowjetunion zu Gegenmassnahmen
zwingt und weiter schwächt. Stalin hatte mit seiner Deklaration des "Sozialimus
in einem Land" in den 20er Jahren die marxistisch-leninistische These der
Weltrevolution aufgegeben. In der Zwischenkriegszeit wies er die Kommunistischen
Parteien immer wieder an, sich an konservative und monarchistische Gruppierungen
zu halten und verurteilte sogar revolutionäre Tendenzen. Er nahm auch nach
dem Krieg an, die Ostblockländer würden kapitalistisch bleiben und
hatte keine Absicht, ihnen kommunistische Regierungen aufzuzwingen. Die besetzten
Gebiete wollte Stalin auspressen: Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Finnland
und Ostdeutschland müssen hohe Reparationen zahlen. Stalin war sogar mit
der Wiederführung der Monarchie in Jugoslawien einverstanden, wie in Griechenland,
und bekämpft die revolutionäre Politik Josip Titos.
Erst die Truman-Doktrin und die wirtschaftspolitische Offensive durch den Marshall-Plan
lässt Stalin aufschrecken und handeln: Zwischen dem 10. Juli und 26. August
1947 schliesst die Sowjetunion Handelsverträge mit Bulgarien, der Tschechoslowakei,
Ungarn, Jugoslawien, Polen und Rumänien, unterstützt die Revolution
in der Tschechoslowakei im Februar 1948, der im Westen als Staatsstreich dargestellt
wird. Stalin säubert die Regierungen in Osteuropa von nationalistischen
Politikern, diszipliniert sein neues Herrschaftsgebiet mittels Terror und Schauprozessen
und bricht im Juni 1948 mit dem einzigen unabhängigen Regierungschef Tito.
Um sich die dringend benötigte amerikanische Hilfe zu sichern, zog Josip
Tito die Unterstützung griechischen Rebellen zurück und verweigerte
den Griechen die Benutzung der jugoslawischen Hoheitsgebiete, womit er deren
Aufstand wirksam beendet. Die USA finanzieren die Entwicklung und Unabhängigkeit
Jugoslawiens mit einem Kredit von mehr als $1 Mia, obwohl Tito seine kommunistischen
Ideen und Praktiken nie aufgegeben hat. Die CIA unterstützt die antikommunistischen
Kräfte im griechischen Bürgerkrieg, die Widerstandsbewegung in der
Ukraine von 1949-53, den Sturzversuch von Enver Hoxha 1950 in Albanien und die
polnische Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegung 1950-52. Die Blockade
Berlins vom Juni 1948 bis im Mai 1949 liefert dem Westen die Bestätigung
der angeblich inhärenten Aggressivität der Sowjetunion.
Die Massnahmen zur wirtschaftlichen und politischen Integration der osteuropäischen Länder laufen parallel mit militärischen Massnahmen: Die Russen stellen ein Blitzprogramm zum Bau von Atombomben, Abfangjägern und der Reorganisation der Armee auf die Beine. Der Mathematiker Klaus Fuchs lieferte den Russen schon während dem Krieg über Ruth Werner die Angaben und die Pläne für die Atombombe. Die nun einsetzende Wiederaufrüstung lähmt den wirtschaftlichen Aufbau und führt zu den Revolten von 1956. Dank der enormen Überproduktion der USA und dem Marshall-Plan entgeht Westeuropa weitgehend den Entbehrungen der Remilitarisierung. Trotzdem zahlt auch die westliche Welt einen hohen Preis für den Kalten Krieg.
Griechenland erhält von 1946-58 $1,59 Mia. Wirtschaftshilfe und $1,24 Mia. Militärhilfe, wovon weitgehend die privilegierten Klassen profitieren. Die Türkei erhält $1,16 Mia. Wirtschaftshilfe und $2 Mia. Militärhilfe, womit sie ein Heer von 500'000 Mann aufrechterhalten, aber die dringend benötigten Strassen-, Schul- und Bewässerungsprojekte nicht bauen. Griechenland, die Türkei, Südvietnam, Südkorea (ohne die Kriegskosten) und Taiwan erhalten Waffenlieferungen im Wert von $7.9 Mia, womit fast 2 Mio. Soldaten kampfbereit gemacht werden. Die Amerikaner haben seit dem 2. Weltkrieg Truppen in den Vietnam, die 1953 verstärkt und als Berater' bezeichnet werden. Tschang Kai-scheks Armee von 600'000 Mann ist bei einer Bevölkerung von 10 Mio. ebenfalls eine Art Besatzungsarmee im eigenen Land.
Quellen: Horowitz: 7-84,179-182, Chotjewitz: 15-20, Matthias, Theoharis/Cox: 277ff, Epstein: 14-19, Schulz: 165,173, CIA-Info: 13, Summers (1993): 158-169, Best: 28, Brussell (1983): 6, Manthoulis, Ascherson 1,2, Avineri: 66, Frölich, Afterbach 5, Tarpley/Chaitkin: 54.
FBI-Chef J. Edgar Hoover versuchte am Ende des Krieges, das OSS in das FBI
zu integrieren, um auch den Auslandgeheimdienst unter sich zu haben. Er organisierte
eine Pressekampagne gegen die noch geheimen Pläne Donovans, eine Central
Intelligence Authority zu gründen, allerdings ohne Erfolg. Hoovers SIS-Abteilung
wie auch das OSS wurden im September 1945 durch Präsident Truman aufgelöst.
Ein Teil der Agenten wechselte in die Strategic Services Unit des Kriegsdepartements,
einige Analysten wechselten ins Aussenministerium, und die Wissenschaftler wollten
wieder lehren und forschen.
Insgesamt arbeiteten während des Zweiten Weltkriegs 75'000-100'000 Agenten
in den US-Geheimdiensten. Das OSS beschäftigte bei Kriegsende 13'000 Mann,
16'000 waren bei der Funkabhör-Abteilung und 14'500 bei der Briefkontrolle.
Dazu kamen die Dienste der Truppen, der Kommandos und der Spionageabwehr. Meist
drängten Angehörige der Oberschicht in den ungefährlichen und
vornehmen "Oh So Social"-Dienst, wobei aber nur etwa die Hälfte
der Agenten als qualifiziert galten und Korruption weit verbreitet war.
Am 22.1.46 unterzeichnet Truman eine Direktive zur Gründung eines neuen
Geheimdienstes, der National Intelligence Authority, dessen operativer Arm die
Central Intelligence Group sein soll. Die Veteranen des OSS arbeiten daraufhin
im Office of Special Operations innerhalb der CIG weiter.
Auf der Grundlage des National Security Act wird im September 1947 das Pentagon
geschaffen, das Armee, Flugwaffe und Marine vereint. Während dem Kalten
Krieg wächst das Pentagon zu einem Koloss, der 3 Millionen Angestellt und
2 Millionen Berufssoldaten umfasst und ein Budget in der Höhe des französischen
Staatshaushalts erhält. Vier Millionen Amerikaner arbeiten in der Rüstungsindustrie,
die weitere 10'000 Zulieferfirmen beschäftigt.
Zudem wird das National Security Council gegründet, und aus OSO und CIG
wird die Central Intelligence Agency aus der Taufe gehoben. Die CIA soll keine
Feldoperationen durchführen, sondern sich, unabhängig von den militärischen
Geheimdiensten und des FBI, auf Nachrichtenauswertung konzentrieren. Aber bereits
im Gründungsjahr werden die Mittel für die CIA von $47 auf $70 Mio.
erhöht und im Juni 1948 autorisiert Präsident Truman "Propaganda,
wirtschaftliche Kriegsführung, vorbeugende direkte Aktionen einschliesslich
Sabotage, Zerstörung und Massnahmen der Evakuierung; Subversion gegen feindliche
Staaten einschliesslich der Unterstützung von Partisanen und Flüchtlingsgruppen
für die Befreiung sowie Unterstützung einheimischer antikommunistischer
Kräfte der freien Welt." Kontrolliert wird die CIA durch das National
Security Council und untersteht somit direkt dem Präsidenten.
Hoover verweigert die Zusammenarbeit mit der CIA. Der Chef der CIA-Gegenspionage
James Jesus Angleton ist wie Meyer Lansky im Besitz von kompromittierenden Photos
Hoovers, die ihn bei homosexuellen Aktivitäten zeigen. Offenbar bekam er
sie von der Naval Intelligence, die mit der Mafia beim Hafenschutz, bei Einbrüchen
und Drogenexperimenten zusammenarbeite.
Hoovers Kampf mit Vertretern der CIA ist mehr als nur ein persönliches
Machtspiel: Es geht um verschiedene Visionen, wie die USA expandieren soll.
Die globalistische Fraktion, zu der die Ölmultis und die CIA gehören,
steht gegen die von Hoover untertsützte nationalistische Gruppe, die sich
auf die Kontrolle des Hinterhofs beschränken will. Hoover führt die
"unlabeled blind memos" ein, wenn er dem Weissen Haus Geheiminformationen
zukommen lässt, damit die Quelle nicht festgestellt werden kann.
Obwohl die Kommunistische Partei der USA nur 80'000 Mitglieder hat (0,053% der
Bevölkerung), von denen etwa 25'000 Industriearbeiter sind, schürt
Hoover die Kommunismusangst und erreicht, dass alle neuen Staatsangestellten
auf ihre Loyalität überprüft werden. Hinter dem Angriff des "House
of Un-American Activities Committee" auf Hollywood steht ebenfalls Hoover,
dessen Agenten im Untersuchungsteam unter der Leitung von Ex-FBI-Agent Allen
Smith dabei sind. Die Angriffe des HUAC auf die Filmindustrie wegen kommunistischer
Unterwanderung bricht die Macht der jüdischen Filmmogule endgültig.
Die Mitarbeiter der Filmindustrie und andere Künstler und Schriftsteller
werden in den nächsten sieben Jahren am Telephon abgehört, ihre Post
wird geöffnet und man klagt sie oft wegen Lächerlichkeiten an. FBI-Spitzel
Ronald Reagan profiliert sich als Denunziant für das HUAC in Hollywood
besonders. Der Präsident der Screen Actors Guild schliesst 1952 ein Spezialabkommen
mit der Music Corporation of America MCA, die das Monopol über die Buchungen
der Künstler und damit über die Unterhaltungsindustrie besitzt. Die
1924 von Jules Stein gegründete Music Corporation of America ist heute
ein $2 Mia.-Imperium und besitzt die Universal Pictures und Universal Television,
Buch- und Musikverlage, Plattenfirmen, Transportfirmen, Videoverleihs, eine
Sparkasse, Grundbesitz, Kabelnetzfirmen und mehr.
Im Komitee hat Hoover andere Verbündete gefunden: die Repräsentanten
Karl Mundt und Richard Nixon, der sich 1937 als junger Jurist beim FBI als Agent
beworben hatte, aber wegen seinem Einbruch in das Dekanat der Jura-Fakultät
abgelehnt wurde. Hoover spannt Nixon ein und schiebt ihm über Priester
John Cronin und die FBI-Mitarbeiter Ed Hummer, Louis Nichols und Lou Russell
Dokumente und Informationen zu. Nixon besuchte bereits 1936 die Anwaltsfirmen
von William Donovan und von John Foster Dulles und kann während dem Krieg
Nazidokumente von Allen Dulles prüfen. Die Dulles-Brüder, die während
dem ganzen Krieg Beziehungen mit einflussreichen Nazis unterhielten, unterstützten
Nixons Wahlkampf und lassen ihm über Thomas Dewey Geheimdienstmaterial
über den angeblichen Kommunisten Alger Hiss zukommen. Mit dem Fall Hiss
versuchen die Republikaner, den Demokraten Truman wegen Nachlässigkeit
gegenüber dem Kommunismus zu diffamieren. Das 1938 einberufene HUAC unter
J. Parnell Thomas, der wegen Steuerhinterziehung verurteilt wird, beginnt 1947
mit der Kommunistenjagd, die unter Joseph McCarthy Tausende von Amerikanern
ihre Stelle kostet.
Quellen: Horowitz: 269f, Schulz:
57,69-71,201-204, CIA-Info: 13, Summers (1993): 245ff, (2000): 62-66, Theoharis/Cox:
273-314, Frölich, Moldea: 2-7, Uesseler/Saupe: 30-37, Laurent: 22.
1947 CIA und Kriegsverbrecher top
Angesichts des sich abzeichnenden Konflikts mit der UdSSR rekrutieren die Geheimdienste OSS/CIG/CIA und das Pentagon ehemalige Nazis und Nazikollaborateure. Von 1945-55 stellt das Pentagon 765 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker Nazideutschlands ein, von denen die Mehrzahl der NSDAP oder der SS angehörten wie General Walter Dornberger, Arthur Rudolph, Wernher von Braun, Emil Augsburg oder Herbert Axster. Von den 150'000 Kriegsverbrechern werden lediglich 50'000 verurteilt, und vermutlich sind fast 10'000 Kriegsverbrecher vom Geheimdienst angestellt und meist in die USA gebracht worden, um sie aufgrund ihres Antikommunismus und ihrer Kenntnisse gegen die Sowjetunion einzusetzen.
Der erste CIA-Chef Allen Dulles verhinderte bereits 1945 mit der Operation SUNRISE, dass führende Nazis den Russen in die Hände fielen. SS-General Karl Wolff, Dulles, Donovan und Pater Felix Morlion organisieren die Flucht der Nazis mithilfe der Katholischen Kirche. Felix Morlion baute den vatikanischen Geheimdienst Pro Deo in Lissabon auf. Mit dem Kriegseintritt kam Morlion mit der Unterstützung von OSS-Chef William Donovan in die USA und gründete das "American Council for International Promotion of Democracy Under God" in New York. Im selben Gebäude an der 60th Street befindet sich das Büro von William Taub, der als Mittelsmann von Richard Nixon, Howard Hughes, Aristoteles Onassis und Jimmy Hoffa fungiert und dessen Name bei der Watergate-Affäre auftaucht. Taub ist ein Vertrauter von Kardinal Alfredo Ottaviania, der die Gabe Mussolinis von $89 Mio. an den Vatikan arrangierte, um die "Neutralität" der Kirche zu garantieren. Die Spende ging auf ein Spezialkonto der Vatikan-Bank, für das Michele Sindona nach dem Krieg verantwortlich ist. Nach der Befreiung Italiens 1944 zog Morlion und das Pro Deo nach Rom. Papst Pius XII. zeichnete Donovan mit dem Grossen Kreuz des St. Sylvester-Ordens, Reinhard Gehlen und James Jesus Angleton mit dem Malta-Orden aus.
Die Katholische Kirche arbeitete schon lange mit den Faschisten zusammen und
half Mussolini und Hitler, ihre Macht zu etablieren. Seit Papst Pius IX. mithilfe
der Franzosen den Kirchenstaat 1850 zurückeroberte, war die Kirche wieder
autokratisch und strikt antisemitisch. Obwohl die meisten Staaten Europas die
Judenemanzipation durchgesetzt hatten, liess der im Jahr 2000 von Johannes Paul
II. seliggesprochene Pius IX. die Mauern des Judenghettos wieder hochziehen,
hielt die Juden mit Steuerauflagen in Armut und setzte den Talmud auf den Index
der verbotenen Bücher. Pius liess sich als "Vice-Gott der Menschheit",
"lebendiges Ebenbild Gottes" oder "König der Könige"
verehren. Durch Zwang und Manipulation führte das Erste Vatikanische Konzil
1870 das Doppeldogma vom Universalprimat und der Unfehlbarkeit des Papstes ein,
womit der Papst alle Entscheidungen allein fällen kann.
In Italien schlossen der Advokat Francesco Pacelli und der Kardinal Eugenio
Pacelli, (der spätere Papst Pius XII.) mit Benito Mussolini am 11.2.29
die Lateranverträge ab, welche der Kirche die staatlichen Hoheitsrechte,
Territorien, Reichtümer und die Erziehungshoheit zurückgeben. Diese
Verträge und das Konkordat mit Hitler von 1933, das unter anderen die Kirchensteuer
brachte, bilden die Grundlage des katholischen Finanzimperiums des 20. Jahrhunderts.
Die Verträge werden nach dem Krieg in die italienische Verfassung und ins
Bonner Grundgesetz übernommen. 1958 wird der Gesamtbesitz des Vatikans
an Kapitalbeteiligungen auf DM 50 Mia. geschätzt.
Karl Wolff, der die Idee zur Diaspora seiner Kollegen mithilfe des Vatikans hatte, ist verantwortlich für die Ermordung von 300'000 Juden in Treblinka. 1983 ist er mit alten SS-Kumpanen wie Gert Heidemann auf einem Törn mit der Yacht von Hermann Görings Wittwe. Melvin Belli ist nicht nur der Anwalt von Emmy Göring, sondern auch von Jack Ruby und Schauspieler Errol Flynn, der mit Gestapo-Agent Hermann Friedrick Erban kollaborierte und ein Freund von Ronald Reagan ist.
Tausende von Nazis können dank der Operation INTERMARIUM des Vatikans, abgesegnet von Papst Pius XII. und gemanagt von Giovanni Montini, dem späteren Paul VI, und der Operation RATLINES des britischen Geheimdienstes nach Nord- oder Südamerika entkommen. Dazu gehören Adolf Eichmann, der Organisator der Judentransporte in die Vernichtungslager, Franz Stangl, der Kommandant von Treblinka, SS-General Walter Rauff, der Erfinder der mobilen Gaskammern, Josef Mengele, als Auschwitz-Arzt an Menschenexperimenten und am Tod von 400'000 Menschen beteiligt, oder die Ustaschaführer Ante Pavelic und Andrija Artukovic, die zusammen die Ermordung von 400'000-750'000 Serben und Juden organisiert hatten. Artukovic ist gleichzeitig britischer Agent, und entkommt im November 1946 in die Schweiz, von wo er über Irland nach Los Angeles flieht. Pavelic organisierte bereits vor dem Krieg Bombenattentate und die Ermordung des jugoslawischen Königs Alexander vom 9.10.34 in Marseille, wonach er bei Mussolini Unterschlupf fand. Nach der Eroberung Jugoslawiens durch Hitler übernahm Pavelic die Macht, errichtete Konzentrationslager, in denen unter der Leitung von Vjekoslav Luburic 350'000 Menschen ermordet wurden. Pavelic säuberte Kroatien von 80% der jugoslawischen Juden und bekehrte die orthodoxen Serben zwangsweise zum Katholizimus. 299 serbisch-orthodoxe Kirchen wurden ausgeraubt und geschleift. Erzbischof Alois Stepinac arbeitet in allen Bereichen mit den Schlächtern zusammen, und der Papst gewährt Pavelic zwei Privataudienzen. Pavelic und seine Getreuen fliehen nach dem Zusammenbruch ins britische Österreich, wo der britische Geheimdienst ihn beschützt. Im April 1946 flieht er als katholischer Priester verkleidet nach Italien, wo er sich dank Priester Krunoslav Draganovic im Vatikan versteckt. Die CIG/CIA arbeitet mit Draganovic zusammen, der selbst als Kriegsverbrecher gesucht wird. Draganovic ist der Vertreter des Roten Kreuzes und kann für die Ustascha-Mitglieder Pässe ausstellen lassen, womit Pavelic als ungarischer Flüchtling Pablo Aranjas im Herbst dank Prater Petranivoc von Genua nach Buenos Aires ausreisen kann. Der argentinische Präsident Juan Peron, der 35'000 Visas für Ustaschas ausstellen liess, die ihm gegen die Kommunisten helfen sollen, beruft Pavelic zu seinem Sicherheitsberater.
Den Russen gelingt mit der Anheuerung von Kim Philby die Penetration in die Operation RATLINES. Auch der zaristische Prinz Anton Turkul, mit dessen faschistischem Spionagenetz die CIA zusammenarbeitet, ist ein Doppelagent. Dank dem Schutz der CIA, dem Pentagon und von George F. Kennan vom State Departement entgehen Verbrecher wie Klaus Barbie, Otto von Bolschwing, Alois Brunner, Gustav Hilger, Vilis Hazners, Heinrich Herwarth, Mykola Lebed, Franz Six, Pavlo Shandruk oder Otto Skorzeny einer Verurteilung und bilden in den USA eine Art "Viertes Reich". Kennan konsultiert regelmässig seinen Freund Gustav Hilger, bevor er Präsident Truman Vorschläge zur West-Ost-Politik unterbreitet, eine Funktion, die Hilger bereits Ribbentrop und Hitler gegenüber einnahm. "Es war unbedingt notwendig, dass wir jeden Schweinehund verwendeten, Hauptsache, er war Antikommunist", meinte CIA-Geheimoperationsleiter Harry Rositzke. Kennan, ener der einflussreichsten Diplomaten, schreibt in einen Memorandum 1948: "Wir besitzen etwa 50% des Reichtums der Welt, aber nur 6,3% ihrer Bevölkerung [...] In einer solchen Situation müssen wir das Ziel von Neid und Erbitterung sein. Unsere wahre Aufgabe für die nächsten Zeiten wird darin bestehen, ein Netzwerk von Beziehungen zu entwerfen, die uns erlauben werden, die Position der Ungleichheit aufrecht zu erhalten, ohne dass die nationale Sicherheit dabei Schaden nimmt. Um dies erfolgreich zu tun, müssen wir uns von Sentimentalitäten uns Wunschträumen verabschieden [...]: unrealistische Ziele wie Menschenrechte, die Verbesserung des Lebensstandards oder Demokratisierung."
Der ehemalige SS-Major Otto Skorzeny arbeitet mit der CIA zusammen und erhält
von Dr. Fritz Thyssen und Dr. Gustav Krupp Geld, um Todesschwadronen aufzubauen:
die "Todesengel" in Bolivien, "die Antikommunistische Allianz"
in Argentinien und, zusammen mit Stephano delle Chiaie, die "Guerilla von
Christus dem König" in Spanien. Skorzeny wird 1947 von den Amerikanern
freigelassen und zieht nach Madrid, wo er die International Fascista gründet,
bei der ehemalige SS-Angehörige, französische OAS-Terroristen und
Geheimpolizisten der portugiesischen PDID arbeiten.
Die Geheimpolizei in Los Angeles unterhält eine Abteilung mit demselben
Kürzel: die Public Disorder Intelligence Division sammelt mithilfe eines
computerisierten Dossiersystems der Western Goals von Larry McDonald Geheimdaten
der Bürger. McDonald ist einer der Führer der John Birch Society,
und Western Goals Filialleiter in Deutschland Eugene Wigner versorgt Gehlens
BND mit Geheimdaten. Zu den Verwaltungsräten von Western Goals gehören
die Kalten Krieger Edward Teller, der Vater der Wasserstoffbombe, Admiral Thomas
Moorer und der ehemalige Luftwaffenpilot Dr. Hans Senholt. Skorzeny ist verantwortlich
für die Paladin-Söldner, die unter dem Cover der M.C. Inc. arbeiten.
Geschäftsführer dieser Import-Exportfirma in Madrid ist Dr. Gerhard
Hartmut von Schubert, der zuvor im Propagandaministerium für Goebbels arbeitete.
Skorzenys Operationszentrum befindet sich im selben Gebäude in Albufera
wie der spanische Geheimdienst SCOE von Colonel Eduardo Blanco. Auch die CIA
hat Büroräume in diesem Haus. Skorzeny ist ein Freund des faschistischen
Finanzmannes Prinz Justo Valerio Borghese, der von James Jesus Angleton vor
der Exekution durch die italienische Résistance gerettet wurde, und von
José Lopez Rega, der grauen Eminenz hinter Juan Peron. Die Freigabe der
Konten von Hitler-Sekretär Martin Bormann, der sich nach Paraguay absetzte,
und der an Krebs gestorbenen Evita Peron, die unter ihrem Namen auf 40 Schweizerkonten
$100 Mio. in Geld und $40 Mio. in Diamanten angelegt hatte, führt 1953
zu einem Kampf um die Gelder und zu den Ermordungen von Evitas Bruder Juan Duarte,
von Schacht-Assistent Heinrich Dorge und von Nazi-Banker Rudolf Feude. Hjalmar
Schacht ist Skorzenys Schwiegervater.
Der bekannteste der geretteten Nazis dürfte Generalleutnant Reinhard Gehlen
sein. Seit 1920 Mitglied der Reichswehr, wurde er unter Hitler 1942 als Chef
des Generalsstabs, Abteilung Fremde Heere Ost, der höchste Geheimdienstoffizier
an der Ostfront und damit mitverantwortlich für der Tod Hunderttausender.
Im März 1945 hatten er und seine Offiziere ihr umfangreiches Spionagematerial
über die Sowjetunion und die sowjetische Armee auf Mikrofilm aufgenommen
und diese auf einsamen Wiesen in den bayrischen und österreichischen Alpen
vergraben. Im August wird Gehlen in einer US-Uniform, während die Russen
den Kriegsverbrecher suchen, in die USA geflogen und von OSS-Chef William Donovan
persönlich verhört. Gehlen verhandelt mit führenden Geheimdienstlern
wie Allen Dulles und J. Edgar Hoover und entgeht dank seinem Material einer
Verurteilung als Kriegsverbrecher. Die Aquirierung durch die CIA erfolgt so
geheim, dass der militärische Geheimdienst Counter Intelligence Corps ihn
offiziell bis 1949 sucht. "Er steht auf unserer Seite", erklärt
Dulles, "und nur darauf kommt es an".
Die USA bezahlen im ersten Jahrzehnt nach dem Krieg $200 Mio. für die Fortsetzung
der Spionage- und Subversionstätigkeit von Hitlers ehemaligen Geheimdienstchef,
obwohl Hitler selbst das Versagen des deutschen Geheimdienstes gegenüber
der Sowjetunion eingestanden hatte. Gehlen setzt meist ehemalige Geheimdienstexperten
der SS, des SD und der Wehrmacht ein, um seine Organisation mit 4000 Mitarbeitern
aufzubauen. 1947, als Millionen zurückkehrender Kriegsgefangener verhört
werden, wechselt die Org' von Taunus nach Pullach bei München, wo
sie von einer deutschen Sondereinheit bewacht wird. Gehlen fördert die
im US-Geheimdienst bereits vorhandene Antikommunismus-Paranoia und liefert Falschinformationen
über die angebliche soziale, politische und wirtschaftliche Fragilität
und militärische Potenz Russlands, die den Kalten Krieg massgeblich verschärfen
und beinahe zum Dritten Weltkrieg führen. Allen Dulles benutzt Gehlen zur
Legitimation der Remilitarisierung, denn er kennt aufgrund eigener Quellen den
desolaten Zustand Russlands. Nichts so General Lucius Clay, der sich von der
bevorstehenden russischen Welteroberung überzeugen lässt, wie die
meisten Amerikaner. Aussenminister John Foster Dulles: "Um den Menschen
die Last erträglich zu machen, müssen wir eine emotionale Atmosphäre
schaffen, die ähnlich ist wie das Gefühl des Kriegszustandes. Wir
müssen das Phantom einer äusseren Gefahr schaffen." Die Hysterie
überzeugt schliesslich, und die Rüstungsindustrie kann ihre Auftragsbücher
wieder füllen.
Obwohl immer noch der CIA unterstellt, arbeitet die Gehlen-Organisation ab 1951 auch für die Bundesregierung. 1953 ist die Gehlen-Organisation am Sturz Mossadeghs im Iran beteiligt. 1954 wird der Chef des westdeutschen Geheimdienstes Otto John mit einer Verleumdungskampagne der CIA gestürzt und Gehlen wird offizieller Chef des von den USA mit $6 Mio. finanzierten Geheimdienstes BND. Der BND wird innerhalb kurzer Zeit der grösste Nachrichtendienst in Europa und ist zuständig für die DDR, die CSSR und Polen. Beim BND öffnen beispielsweise 250 Geheimdienstler jährlich 1,6 Millionen Briefe aus und in diese Länder. Gehlens Vertreter in den USA ist ab 1954 der SS-Offizier Otto Albrecht von Bolschwing, der Eichmanns Chef war und gleichzeitig mit Dulles OSS-Abteilung zusammenarbeitete. Elmer Bobst von der Warner-Lambert Pharmaceutical, der Richard Nixons politische Karriere ermöglicht, wird ein Vertrauter von Boschwings, der 1960 für die Kampagne Nixons arbeitet. Seit 1952 hält sich Karl Adolf Eichmann unter dem Pseudonym Clemens in Argentinien auf, was CIA und BND wissen. 1960 wird der ehemalige SS-Obersturmbannführer vom Mossad entführt und 1962 in Israel hingerichtet. 1969 ist von Bolschwing an der kalifornischen Hightechfirma TCI und deren geheimen Rüstungsaufträgen des Pentagon beteiligt. Von Bolschwing pflegt mit Ronald Reagans Sekretärin Helene van Damme, die während der Präsidentschaft ihres Bosses Botschafterin in Österreich wird, eine enge Freundschaft. Auch SS-Sturmbannführer Alois Brunner, der als Mitarbeiter von Adolf Eichmann am Tode von 128'000 Juden mitverantwortlich war, arbeitet als Dr. Georg Fischer in Syrien für die Organisation Gehlen und den syrischen Geheimdienst.
Neben der Gehlen-Organisation werden von den USA andere Organisationen wie die "Tostoj-Stiftung", die "Union der Bischöfe der Orthodoxen Kirche ausserhalb Russlands" oder die aggressive "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" aufgebaut und über das Counter Intelligence Corps der US-Armee, die CIA, die Ford Foundation, das Rote Kreuz, die US-Gewerkschaften und die Caritas finanziert und gesteuert. Nachdem die "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" KgU 1951 von Greuelpropaganda zu aktiver Sabotage in Ostdeutschland wechselt, wird die Unterstützung zurückgefahren, obwohl Willy Brandt 1952 bereit ist, die Leitung zu übernehmen. 1954 wird die Fianzierung eingestellt, und Ende der 50er Jahre löst sich die KgU auf. Eine ähnliche Organisation ist der von der CIA gegründete "Untersuchungsausschuss der freiheitlichen Juristen in der Sowjetzone". Auch die von den grösseren Parteien errichteten Ostbüros, von denen das der SPD wirkliche Bedeutung erlangt, betreiben Propaganda, Spionage und Sabotage, um einen Aufstand im sowjetischen Teil auszulösen. Zudem wird der von den Deutschen finanzierte Spionagering der Falange in Lateinamerika und die Saibatsu-Organisation in Japan in den Dienst der USA genommen. Man verwendet sie wegen ihrer Erfahrung für Propaganda und psychologische Kriegsführung, braucht sie in Laboratorien oder bildet sie als Guerillakämpfer aus, die nach einem Atomangriff auf die UdSSR eingesetzt werden sollen. Finanziert werden diese Aktionen durch beschlagnahmte Nazivermögen, die wiederum meistens von enteigneten Juden oder aus Kriegsbeute stammen.
Quellen: Simpson: 21-59, Köhler: 34f, Horowitz: 269f, Schulz: 57,69-71,201-204, CIA-Info: 13, Scott, Arons/Loftus, Bradley, Deschner (1962): 524-528, 563-569, (1965): 17-50,97-259, (1968), Meier: 2, Uesseler/Saupe: 30-37, Theoharis/Cox: 277ff, Kilian (2001f), Best: 26, Pilger: 49, Summers (1993): 154-157, Brussell (1983): 1-8, Konkret 8/1964, Ranelagh/Treharne: 1, Loftus, Aarons/Vicary, Herman: 36f, Avineri: 66, Levin, Lapham (2004), Hübner/Sperlich, Schoch: 5, Karel (2003).
1948 CIA in Italien top
Die CIA hat in Italien ihre ersten Erfolge, da es Frank Wisner und dem Team
um Roscoe Hillenkoeter mit der Operation DEMAGNETIZE gelingt, den Einfluss der
Kommunisten bei den ersten italienischen Nachkriegswahlen 1948 einzudämmen.
Statt der prognostizierten Mehrheit von 51% kommt der kommunistisch-sozialistische
Block nur auf 30% der Stimmen. $10 Mio. wurden an Parteien und Kandidaten vergeben
und anonyme Broschüren verteilt, in denen kommunistische Kandidaten als
Feinde der Kirche oder wegen ihres Sexuallebens angegriffen wurden. Propaganda,
Wählereinschüchterungen durch die Mafia und die Drohung des amerikanischen
Aussenministers George Marshall, sofort jede Hilfe zu stoppen, würden die
Linken gewählt, bringen den Christdemokraten eine satte 53%-Mehrheit. Während
den Wahlen liegen amerikanische und britische Kriegsschiffe in den italienischen
Häfen vor Anker.
Von 1948 bis 1968 zahlt die CIA durchschnittlich $30 Mio. pro Jahr an bürgerliche
und sozialdemokratische Politiker Italiens wie Gulio Andreotti, Giuseppe Saragat
oder den christdemokratischen Gewerkschaftsführer Vito Scalia. In Zusammenarbeit
mit der CIA wird in Italien der militärische Geheimdienst Sifar aufgebaut,
der Akten über 157'000 prominente Politiker, Bischöfe, Journalisten,
Gewerkschaftsführer, Industrielle, Künstler und Offiziere führen
wird.
In Sizilien funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Staat und organisierter
Unterwelt unter Calogero Vizzini, und ab 1954 unter Giuseppe Genco Russo, ausgezeichnet.
Die absolute Mehrheit der Democrazia Cristiana ist gesichert, mit dem Erzbischof
von Palermo und der lokalen Polizei versteht man sich, während Sozialisten
und Kommunisten häufig nicht alt werden. Russo selbst wird ins Provinzkomitee
der DC gewählt, etwas später wird er Mitglied des Sizilianischen Parlaments,
und ab 1960 ist er Bürgermeister von Mussomeli. Schon vorher löst
er die engagierten Bauerngenossenschaften auf und gründet eigene, unter
seiner Kontrolle stehende Bauernverbände, womit er die Verteilung des Landes
an die Bauern weitgehend verhindern kann. Dankesgelder der von der Enteignung
bedrohten Landbarone und die Verfügungsgewalt der Verbandskassen von 57'000
Bauern verbessern seine Einnahmen, die unter anderem aus Weiterverpachtung von
grossen Ländereien an arme Bauern zu horrenden Zinsen und den Entwicklungsgeldern
für den Süden bestehen. Von 1947 bis 1971 fliessen 830 Mia. Lire für
Wohnungs- und Strassenbau, Staudämme und Wasserleitungen nach Sizilien,
und von 1972 bis 1976 weitere 630 Mia. Die Aufträge dazu holen sich fast
ausschliesslich mafiose Firmen, wobei die Gelder dann, meistens ohne brauchbare
Resultate, versickern.
Der Erfolg in Italien ist der Beginn der systematischen Einmischung der CIA
in andere Länder. 1948 intervenieren die USA auch in Costa Rica mit Hilfe
der nicaraguanischen Nationalgarde Somozas, und erste Militärberater werden
nach El Salvador geschickt. 1949 wird der Central Intelligence Act angenommen,
der der CIA absolute Geheimhaltung von Funktionen, Namen und Anzahl der Angestellten
sowie der Aufgaben, Gehälter und Finanzierung garantiert.
Frank Wisner, Dulles ehemaliger Assistent, baut nach seinem Erfolg ein Agentennetzwerk
in Osteuropa auf und gründet 1949 das Radio Free Europe. Unter Allen Dulles
arbeitet er an der Albanien-Invasion, bei der aber alle Exilalbaner, die im
April 1950 von Griechenland ins Land einfallen, unmittelbar verhaftet werden.
Bis 1953 versuchen die USA und Grossbritannien erfolglos, die kommunistische
Regierung zu stürzen und eine neue Pro-Westliche Regierung einzusetzen,
die hauptsächlich aus Monarchisten und Faschismussympathisanten bestanden
hätte.
Bereits jetzt wird Kim Philby verdächtigt, Informationen weitergeleitet
zu haben. Der Sohn des britischen Agenten Harry St. John Philby wurde während
seinem Studium in Cambridge Marxist und trat 1940 in den Secret Intelligence
Service ein und steigt 1944 zum Leiter der Spionage-Abwehr auf. Kim instruierte
James Angleton, wie man Nazispione zu Doppelagenten aufbauen kann, die Falschmeldungen
nach Berlin schicken. Im folgenden Jahr offerierte ein hoher KGB-Offizier auf
der britischen Botschaft in Istanbul, zwei British Foreign Office-Diplomaten
und einen Gegenspionageagenten, die für die Sowjetunion arbeiten, gegen
Geld zu identifizieren. Philby flog in die Türkei, worauf ein russisches
Militärflugzeug einen Verhafteten von Istanbul ausfliegt und der Agent
nicht mehr gefunden werden kann. 1949 wird Philby britischer Verbindungsagent
in Washington mit Zugang zu Geheimdokumenten, trifft sich regelmässig mit
dem Chef der Gegenspionage der CIA und hilft dem FBI, Spione zu enttarnen. 1951
fliehen die beiden britischen KGB-Doppelspione Guy Burgess und Donald Maclean,
die Zugang zum Hauptquartier der Atomic Energy Commission haben, in die UdSSR.
Philby muss daraufhin nach London zurückkehren, wobei viele britische Geheimdienstagenten
vermuten, dass er ein Opfer der McCarthy-Hysterie sei. Erst als er sich 1963
selbst in die UdSSR absetzt, wird wirklich klar, dass er als sowjetischer Doppelagent
gearbeitet hat.
Quellen: Horowitz: 76, Raith: 20ff,57,88, Schulz: 82,164, Best: 27f, Meurice.
1948 Die CIA und die Gewerkschaften top
Dave Dubinsky von der International Ladies Garment Workers' Union sponsert den Gewerkschaftsführer Jay Lovestone, der das AFL Free Trade Union Committee aufbaut. Über diese Organisation laufen James Jesus Angletons Kontakte zur Mafia (z.B. von New York) und werden Gelder verschoben (z.B. zu den korsischen Gangs in Marseille). Angleton startete 1943 beim OSS und wurde nach Rom abgeordnet, wo er Helms und Dulles kennenlernte. Angletons Einheit entdeckte die Geheimpost von Hitler und Moussolini. Als Stationschef in Rom ist Angleton zusammen mit Raymond Rocca an der Operation gegen die Kommunisten in Italien beteiligt, wobei er mit Harry Anslingers Topagenten George White und Charles Siragusa zusammenarbeitet. Mithilfe von neuen Identitätspapieren ermöglicht er vielen Nazis zur Flucht aus den Gefangenenlagern. 1948 tritt Angleton der CIA bei, wird Direktor der Gegenspionage und legt Dossiers über eigene Mitarbeiter an, um seine Macht zu sichern.
Der ehemalige Kommunist Jay Lovestone benutzt die Gewerkschaft American Federation
of Labor als Deckmantel für CIA-Programme. Vor allem beim Aufbau der deutschen
antikommunistischen Gewerkschaften spielt Lovestone eine entscheidende Rolle,
nachdem er die Konkurrenzgewerkschaft CIO in die AFL integrieren kann. Dank
den grossen finanziellen Ressourcen kann Lovestone Kongresse und Hilfsprogramme
in Deutschland durchführen, bezahlt deutsche Politiker der Christ- und
Sozialdemokraten und Gewerkschafter wie Fritz Heine, Willy Richter, Ernst Reuter,
Willy Brandt oder Carlo Schmidt.
Lovestone und sein Mitarbeiter Irving Brown haben auch enge Beziehungen zu den
Pressehäusern und bezahlen einige wie den Universum-Verlag, die den American
Way of Life propagieren. Lovestone gibt anfangs $200'000, aber schon nach kurzer
Zeit über $ 1 Mio. pro Jahr für die CIA aus. Auch der Chef des Dachverbandes
der Gewerkschaften Victor Reuther unterstützt die deutschen Gewerkschaften,
aber nicht im Auftrag der CIA, abgesehen von einem Scheck von Thomas Braden
über $50'000, womit ihn die CIA zu erpressen versucht.
Quellen: Scott (1993): 195, Weberman (6): 3, Russel (2000), Schröder, Konkret Nr.8/1973, Levin.
1948 Howard Hughes und die Politik top
Howard Hughes wurde aufgrund seines schweren Flugzeug-Unfalls codein- und morphinsüchtig
und bleibt es bis zu seinem Tod. 1947 verschwand Hughes zweimal, um seinem neuen
Schwarm Jean Peters nach Mexico zu folgen und um einer Senatsvorladung zu entgehen.
Seit 1946 stellen die Republikaner nach 16 Jahren wieder die Mehrheit im Kongress.
Ein Senatskomitee unter Ralph Owen Brewster begann, die Kriegskorruption zu
untersuchen. Hughes schmierte Roosevelt über dessen Sohn Elliott und Truman
persönlich, unterhielt hohe Militärs mit Prostituierten und kassierte
$40 Mio, ohne auch nur ein einziges Flugzeug zu liefern. Um das Senate War Investigating
Committee zu bremsen, stellte Hughes den Kolumnisten Drew Pearson und seinen
Assistenten Jack Anderson ein, um eine Schmutzkampagne über den Vorsitzenden
zu starten. Engagierte Detektive beschäftigten sich mit Senator Brewsters
Beteiligungen an der Pan American Airways, die über Steuererleichterungen
und Regierungsfranchisen marktführend geworden ist und dank Brewster die
Exklusivrechte für Überseeflüge erhalten hat. Pan Am ist die
Hauptkonkurrentin der Trans World Airways, an der Hughes seit 1939 massgeblich
beteiligt ist. Im August 1947 stellte er sich dem Senatsausschuss und sah erstmals
die FBI-Reporte der vierjährigen Abhörung seiner Telefone und Hotelsuiten,
wobei auch seine Geliebten beschattet wurden. Auch Brewster bezahlte einen Polizeileutnant,
Joseph W. W. Shimon, der Hughes Hotelzimmer in Washington verwanzte und sein
Telefon anzapfte. Hughes schlug zurück, indem die Schindler Detective Ageny
Brewsters Zimmer im Mayflower Hotel verwanzte und herausfand, dass Brewster
auf allen Pan Am-Flügen gratis fliegt und seine Ferien von der Airline
bezahlen lässt. Die Untersuchung gegen Hughes wurde daraufhin fallengelassen.
Kurz darauf "entstehen" etwa hundert "Hughes for President"-Clubs
in allen grösseren Städten, und Hughes wird zum Hauptlieferanten von
Elektronik für die Air Force. Im November 1947 flog Hughes das erste und
letzte Mal eine Meile weit seine hölzerne Herkules (Spruce Goose), deren
Entwicklung den Staat $22 Mio. und seine Hughes Tool Company $50 Mio. gekostet
hatte.
Im Mai 1948 kauft er die RKO, das drittgrösste Filmstudio hinter MGM und
Twentieth Century Fox, und bietet Brewster einen Job als Schauspieler an, für
$300 pro Woche, weil er kein Anfänger sei. 1952 unterstützt Hughes
grosszügig die Senatskampagne des Gegners, worauf Brewster seinen Sitz
verliert. RKO läuft schlecht, weshalb Hughes seine Aktien im September
1952 abstossen will. Aber nach einem Bericht des Wall Street Journals, wonach
die 5 Käufer mit der Mafia verhängt seien, abgebrochen wird.
Als das House on Un-American Activities Committee seine Untersuchungen in Hollywood
durchführt, zeigt sich Hughes sehr kooperativ. Die Büros werden verwanzt
und Drehbuchautor Paul Jarrico, der sich weigert, vor dem Ausschuss auszusagen,
wird gefeuert, was Hughes das Lob von Nixon einbringt. Hughes kommt einem daraufhin
geplanten Streik der Screen Writer's Guild zuvor, indem er gleich hundert Angestellte
entlässt. Zudem verbietet er die Präsentation des Films Limelight
in seinen Kinos, weil sich Charles Chaplin ebenfalls die Aussagen verweigerte.
RKO schreibt unter seiner Führung bis zum Verkauf 1955 $24 Mio. Verluste,
auch wegen seinen permanenten Interventionen bei den Filmen. Hughes verlangt
von seinem Umfeld absolute Loyalität, vor allem von den meist grossbusigen
Schauspielerinnen, die er als seinen Besitz betrachtet.
Obwohl er ab 1947 mit Jean Peters zusammenlebt, führt er seine Eroberungen weiter und hat Affären mit Tanzstar Cyd Charisse, dem Sopranostar Kathryn Grayson oder Starlett Terry Moore, die ein Kind von ihm bekommt, das aber nach 12 Stunden stirbt. Im März 1952 veranlasst Hughes, dass Terry sich nach 15 Monaten Ehe von Glenn Davis scheiden lässt, worauf der Footballstar den Milliardär spitalreif schlägt. Hughes lässt nicht nur seine Geliebten, sondern auch seine Freunde, Feinde, Angestellten oder irgendwelche Frauen, die ihm aufgefallen sind, von seiner Geheimpolizei beschatten. Mit einem Jahresetat von $2 Mio. führt Jeff Chouinard mit seinen Privatdetektive von 1950 bis 1954 über 100 Untersuchungen über Frauen wie Miss Italien Gina Lollobrigado, Susan Hayward, Elisabeth Taylor, Mitzi Gaynor, Barbara Payton, Anita Ekberg oder Zizi Jeanmaire durch, die Hughes erlauben, die Tagesabläufe und jedes Telefongespräch jeder einzeln zu verfolgen. Sein Spionagesystem funktioniert so perfekt, dass er vor Jane Greer weiss, dass sie schwanger ist. Je älter Hughes wird, desto häufiger konzentriert er sich auf sehr junge Mädchen wie die 15jährige Sally Bliss. Dutzende von Möchtegernstars werden in sein RKO-Programm aufgenommen, wobei sie Gesangs-, Drama- und Fotokurse bekommen, aber wie Gefangene gehalten und permanent überwacht werden. Laut Confidential Magazine umfasst sein modernes Harem 164 Mädchen, und er benutzt die Wohnung von Walter Kane am Sunset Boulevard für Sexstunden. Einer empörten Mutter, die ihre 15jährige Tochter mit Hughes erwischt, zahlt er beinahe $1 Mio, um einen Prozess zu verhindern.
Aus Angst vor feindlichen Lauschangriffen hält er seine Geschäftssitzungen im fahrenden Wagen ab. Hughes engagiert Frank William Gay, den Assistenten seiner Sekretärin Nadine Henley, als Geschäftsführer und Carl Byoir Associates als PR-Agentur seiner Firmen. Während dem Krieg vertrat Byoir Nazi-Banker und -Industrielle wie Ernest Schmitz von I.G.Farben oder Friedrich Flick, der dank John McCloy freigesprochen wird. Flicks Sohn investiert $400'000 in die W. R. Grace Company von J. Peter Grace, der Nazi-Offiziere in Bolivien unterstützt. George DeMohrenschildt ist ein Partner von Firmengründer William Grace.
Hughes begann 1946 seine Zahlungen für Richard Nixon, der als jüngster
Abgeordneter im Education and Labor Committee und im House of Un-American Activities
Committee Einsitz nimmt. Nixon profitiert vom Ärger der Ölfirmen über
Jerry Voorhis und wird von Standard Oil, Richfield Oil und Signal Oil als Gegenkandidat
finanziert und dank Kyle Palmer von der Los Angeles Times, Union- und Tribune-
Besitzer Jim Copley und Herbert Klein von der Alhamba Post-Advocate aufgebaut.
Verantwortlich für Nixons Dreckkampagne ist Murray Chotiner, der führende
Mafiabosse wie Marco Reginelli vor dem Gericht vertritt. Chotiner erhielt sein
Anwaltspatent mit 19 Jahren, arbeitete mit 23 an der Präsidentschaftskampagne
von Herbert Hoover und leitete mit 33 die Kampagne von Earl Warren für
den Gouverneursitz in Kalifornien. Entsprechend seinem Credo "Politik ist
Krieg" setzt er jedes Mittel ein. 1946 vermittelt er ein Treffen von Mafiaboss
Mickey Cohen mit dem in seinem Territorium kandidierenden Nixon, der $5000 Wahlkampfunterstützung
bekommt. Nixons Beziehungen zu Mobstern gehen bald über Miami hinaus und
laufen auch über Bebe Rebozo, George Smathers, Bobby Baker, Dana Smith
oder Richard Danner.
Das zweite Standbein von Hughes in der Politik ist Lyndon Baines Johnson. Alles in allem erhält Johnson von Hughes ab 1948 etwa $1 Mio. Schmiergelder. Auch die Baulöwen George und Herman Brown unterstützen Johnson für seinen Senatswahlkampf, den er 1948 dank der Manipulation des mächtigen George Parr gewinnt. Brown & Root avancieren dank Johnsons Staatsaufträgen während seiner Präsidentschaft zur weltgrössten Baufirma. Verschiedene Verfahren und Untersuchungen gegen Johnson werden politisch oder mit Morden verhindert. Johnson und sein Schützling John Connally haben beide Büros in Fort Worth, wo sie mit Gamblern wie W. C. Kirkwood in Kontakt kommen, die mit der Mafia und den Ölbaronen liiert sind. In Kirkwoods "The Four Deuces Club" treffen sich H. L. Hunt, Clint Murchison, Amon Carter, Johnson, Connally und Sam Rayburn zum Pokern. Johnson lässt sich in seinem Büro von Jack Halfen, der Gelder von Frank Costello, Vito Genovese, Carlos Marcello, Jimmy Hoffa und ähnlichen Figuren bringt, finanzieren, und selbst als Vizepräsident nimmt Johnson dort noch Schmiergelder entgegen.
Quellen: Marrs: 292, Scott (1993): 235,(2000):60, Drosnin, Best: 49f, Brussell (1983): 10f, Summers (2000): 41-57,151,495f, Brown/Broeske: 225-274,281ff,288.
Oktober 1948 Truman und die Mafia top
Paul Ricca und seine Komplizen werden unter dem Protest der Öffentlichkeit
auf Bewährung freigelassen. Die immer noch von Chicago kontrollierten Gewerkschaften
in Hollywood erzwangen mit Streiks und Sabotage, dass die Studios Harry S. Truman
$5 Mio. zahlten, und das Syndikat versprach Truman die Unterstützung für
die Wahl. Auf Anweisung verhinderte der demokratische Politiker Jake Arvey mit
seiner Kandidatur eine Nomination von Estes Kefauver.
Hoover unterstützte den republikanischen Präsidentschaftskandidaten
und ehemaligen Mafiajäger Thomas Dewey mit geheimen Informationen über
Truman und arbeitete somit gegen seinen Chef. Dewey, der zum Alkoholmillionär
Lewis Rosenstiel eine lange Bekanntschaft unterhält, schlug sich auf die
Seite von Lucky Luciano und Meyer Lansky, die ihn unterstützen. Auch von
Howard Hughes erhielt Dewey $25'000.
Doch Truman wird am 3.11.48 mithilfe eines Wahlbetrugs der Mafia von Chicago
entgegen allen Wahlumfragen wiedergewählt. Justizminister Tom Clark, mit
dem sich Murray Humphrey mehrmals getroffen hatte, um den Deal einzufädeln,
wird kurz darauf von Truman zum Bundesrichter ernannt.
Quellen: Giancana: 226,248,253f, Summers (1993): 169ff, (2000): 128f,151,498, CSP:8.